ÖKO-TEST untersucht Plattformen für Crowdfinanzierung

ÖKO-TEST untersucht Plattformen für Crowdfinanzierung

von Christian Lücke - 09.08.2016

Das Verbraucherschutzmagazin ÖKO-TEST hat sich dem Thema Crowdfinanzierung gewidmet. Auch kapilendo wurde dabei offensichtlich unter die Lupe genommen. Schade ist nur, die Verbraucherschützer räumen dem Crowdlending zusammengenommen maximal eine von sieben Seiten ein. Der „Löwenanteil des Textes“ umfasst Crowdinvesting, obwohl, wie das Magazin selbst schreibt, „der Löwenanteil der Finanzmittel (mehr als 58 Prozent) … durch Crowdlending oder Peer-to-Peer (P2P)-Kredite bereitgestellt“ wird.

Chancen und Risiken kritisch, aber fair durch Verbraucherschützer benannt

ÖKO-TEST beschreibt in weiten Teilen treffend die Chancen und Risiken von Crowdinvestments und worauf sich Anleger einstellen sollten. Auf mögliche Ausfälle der Investments etwa, denn die kann es geben. Der Tenor ist ausgesprochen kritisch, aber weitgehend fair. Die Perspektive aus Verbraucherschutzsicht eben, da kommen die Pattform-Anbieter weniger gut weg.

Manches wirkt jedoch auch ein wenig deplatziert, wie etwa der Verweis: „Crowdportale im Internet … locken mit üppigen Renditen. Doch während die Portale und Unternehmen profitieren, zahlen Anleger oft drauf.“ Das geht dann doch wieder arg in die Richtung: „Die Finanzhaie schlagen sich den Bauch voll, stehen am Ende immer als Gewinner da und der kleine Mann zahlt die Zeche und wird um seine Ersparnisse gebracht.“ Natürlich können wir von kapilendo nicht für alle Anbieter sprechen, aber wir sehen unsere Aufgabe jedenfalls nicht darin, Oma Else den Spargroschen aus der Tasche zu ziehen und uns dann Champagner schlürfend nach Argentinien abzusetzen.

Skepsis vor Finanzprodukten ist groß

Es dürfte wohl die generelle Skepsis der Verbraucherschützer vor Finanzanlagen mitschwingen, die tatsächlich in der Vergangenheit vielfach nicht gerade mit Vertrauen auftrumpfen konnten. Doch für  hohe Abschlusskosten bei Altersvorsorgeprodukten, für Totalausfälle bei geschlossenen Beteiligungen oder für die enttäuschenden Erfahrungen am Aktienmarkt tragen nicht die neuartigen Crowd-Plattformen die Verantwortung. Die traurige Vergangenheit ist schließlich einer der Gründe, weshalb solche Anbieter wie kapilendo überhaupt gegründet wurden.

Dass wir natürlich auch etwas verdienen möchten und nicht nur aus altruistischen Motiven täglich zur Arbeit gehen, sollte ebenfalls bedacht werden. An den ausgewiesenen Zinsen verdienen wir nichts, diese werden komplett an die Anleger weitergereicht. Wir verdienen nur an einer Gebühr, und die zahlen die kreditnehmenden Unternehmen. Und ja, dafür tragen Privatanleger natürlich ein gewisses Risiko, dessen sie sich auch bewusst sein sollten.

Bei Banken läuft das etwas anders. Die Zinsen fürs Sparkonto resultieren dort aus höheren Kreditzinsen für Unternehmen. Zahlt ein Unternehmen 8 Prozent Kreditzins an die Bank, kommen beim Bankkunden vielleicht 1,5 Prozent Guthabenzins auf Spareinlagen an. Alles dazwischen bleibt bei der Bank für die Abdeckung der hauseigenen Kosten und als Gewinn. Mit den Crowd-Plattformen steht Privatanlegern eine Form der Unternehmensfinanzierung als alternative Investmentklasse zur Verfügung, auf die sie zuvor überhaupt keinen Zugriff hatten.

Plattformen für Crowdfinanzierungen leben von Vertrauen und Transparenz

Außerdem sind Crowdinvestoren nicht von vornherein ahnungslose Schafe, die an die Hand genommen werden müssen und die nur eine Regulierungsbehörde vor dem Totalruin retten kann. Die Kritik von ÖKO-TEST zielt etwa auch darauf ab, dass ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) zur Risikoeinschätzung des jeweiligen Projekts nicht auf allen Portalen frühzeitig genug zur Informierung der Anleger greifbar ist. Erst nach vollständiger Registrierung und quasi erst „kurz vor dem Klick auf Vertragsabschluss“ könne man auf diese VIB zugreifen. Tatsächlich könnte man in Sachen Transparenz dazu übergehen, dieses VIB zur rechtzeitigen Auslotung von Chancen und Risiken früher zur Verfügung zu stellen. Allerdings stehen wir als Mittler zwischen Anlegern und Unternehmen nicht nur einer Seite zur Verfügung. Das heißt, nicht alle Unternehmen möchten alle Informationen über sich einem unbeschränkten Kreis von möglichen Interessenten öffentlich zugänglich machen. Ein Mindestmaß von Zugriffsberechtigung ist deshalb geboten, kann aber überdacht werden.

Die Kritik der Verbraucherschützer trifft daneben auch die Themen Rating und Bonitätseinstufung durch die Crowd-Plattformen, auf die sich die Privatanleger verlassen müssen. Theoretisch könnten da alle machen, was sie wollen. Jedoch findet da weder bei uns noch dürfte bei den anderen Plattformen eine Einstufung der Risikoklassen nach dem Würfelprinzip stattfinden. Was sollten wir denn davon haben, unsere Plattform durch fehlerhaft deklarierte und ausfallgefährdete Projekte zu destabilisieren? Vertrauen ist gerade im Finanzmarkt schwer zu verdienen und besonders schnell zu verlieren.

Vergleich der verschiedenen Plattformen

Etwas unklar sind letztendlich die veröffentlichten Vergleichstabellen auf der Homepage und im ÖKO-TEST-Heft selbst. Sie unterscheiden sich in der Ausführlichkeit doch deutlich voneinander und einige Punkte verursachten bei uns etwas skeptische Blicke. Das dürfte einigen anderen Plattformen ähnlich gehen. Finden die Verbraucherschützer auf manchen Seiten schlicht „keine Angaben“, so ist uns die Herkunft anderer Daten nicht ganz klar.

Über die Bereitstellung von Informationen anderer Plattformen können wir nichts Genaues sagen, aber einige der recherchierten Daten finden wir nicht so leicht wie die Verbraucherschützer. Dass wir „keine Angabe“ zum „Guthaben auf einem Anlegerkonto“ machen, liegt schlicht daran, dass so etwas bei uns nicht notwendig ist. Die Anzahl der finanzierten Projekte taucht bei uns zwar nicht als Zahl auf, doch kann man sie auch nachzählen, schließlich sind alle bisherigen Projekte noch im Videoformat zu sehen. Die vermittelten Kreditvolumina anderer Plattformen sollen hingegen nach einem Jahr am Markt so hoch sein, dass sie manche Großbank in den Schatten stellen könnten.

Verbraucherschutz gibt Hilfestellung bei der Einschätzung von Crowdfinanzierungen

Wie dem auch sei, wir können hier nicht einfach machen was wir wollen. Unsere abwickelnde Partnerbank im Hintergrund – die Fidor Bank – riskiert schließlich nicht leichtfertig ihre Banklizenz. Und auch wenn der Markt der Crowdfinanzierung nicht vollumfassend von der Bankenaufsicht durchreguliert wird, so heißt das trotzdem, dass wir für jedes Projekt eine Zustimmung der BaFin einholen müssen.

Wer weiß, was Investieren über die Crowd bedeutet, der findet auf den Portalen sicher etwas. Wer es nicht weiß, kann auch einfach die Finger davon lassen. Der ÖKO-TEST-Bericht sollte bei der Einschätzung jedenfalls willkommene Hilfestellung leisten, denn die Zahl der Interessierten da draußen ohne Orientierung dürfte nicht so klein sein. Das Ansprechen der kritischen Punkte durch die Verbraucherschützer wird jedoch wohl eher nicht dazu führen, dass man uns jetzt hier die Türen einrennt.

Aber wer weiß, beim nächsten Verbraucherschutztest geht ja vielleicht kapilendo als Testsieger hervor… *zwinker*