Berliner Mittelstandskongress: Start-ups und Mittelstand profitieren voneinander

Berliner Mittelstandskongress: Start-ups und Mittelstand profitieren voneinander

von Christian Lücke - 26.10.2015

Gerade ging er zu Ende – der Berliner Mittelstandskongress 2015. Das Austauschforum für kleine und mittelständische Unternehmen versteht sich als Plattform, auf der Chancen, Möglichkeiten und Herausforderungen für die Berliner Unternehmenslandschaft diskutiert werden sollen. Bereits im Vorfeld mahnte Florian Nöll vom Bundesverband Deutsche Startups im Interview mit der Berliner Zeitung an, das zahlreiche Mittelstandsunternehmen nicht ausreichend auf die Herausforderungen einer digitalisierten Welt vorbereitet sind. Doch auch die eigene Start-up-Branche könne noch viel von den mittelständischen Betrieben im Lande lernen, so Nöll.

Deutscher Mittelstand ist unzureichend auf digitale Herausforderungen vorbereitet

Den Leiter des Bundesverbandes Deutsche Start-ups beschleicht demnach das Gefühl, dass der deutsche Mittelstand in keiner Weise ausreichend auf die bevorstehenden Umwälzungen in Sachen Digitalisierung der Wirtschaft vorbereitet ist. Dass an dieser Veränderung hin zum Digitalen kein Weg vorbei führe, zeigen die Entwicklungen in den USA überdeutlich, so Nöll. Die Wirtschaft dort entwickle sich durch fortwährende Vernetzung immer mehr zum Internet der Dinge, im industriellen Sektor hierzulande auch gern Industrie 4.0 genannt.

Natürlich wird die Digitalisierung auch Geld kosten – was gerade kleinere Unternehmen vor Herausforderungen in Finanzierungsfragen stellen dürfte. Doch ein Zurückscheuen vor den Kosten könnte wie eh und je zu der klassischen Fragestellung für Firmen führen: „Investiere ich und erschließe mir damit neue Möglichkeiten? Oder verzichte ich auf in Zukunft möglicherweise wichtig werdende Investitionen und verabschiede mich irgendwann vom Markt?“

Start-ups und Mittelstands-Unternehmen können voneinander lernen

Deshalb rät Nöll zu einem gegenseitigen Austausch zwischen Mittelständlern und innovativen Start-ups. So könnten die kleinen und mittleren Unternehmen viel darüber lernen, „wie die digitale Welt funktioniert, wie die Zukunft der Arbeit aussieht, wie man Dinge ausprobiert und wie frisches Denken ohne Hierarchien geht. Sie können Mut lernen“, so Nöll.

Doch auch die jungen Wilden, die Start-ups können noch so einiges von den etablierten Unternehmen der Old Economy übernehmen. Schließlich gibt es im deutschen Mittelstand eine Vielzahl von Weltmarktführern, die ja irgendetwas richtig gemacht haben müssen, um global so erfolgreich zu werden. Mit der Internationalisierung deutscher Start-ups sei es dagegen nicht ganz so weit her. Hier geben vorwiegend US-amerikanische Tech-Firmen den Takt vor.

Generell sollten beide Seiten sich als Partner sehen, die sich hervorragend ergänzen und voneinander profitieren können. So kann etwa die Crowdlending-Plattform kapilendo für mittelständische Unternehmen drei willkommene Möglichkeit bieten: Zum einen können Mittelständler ihren Kreditfinanzierungsmix erweitern; zweitens können sie an notwendiges Kapital kommen, um sich auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorzubereiten; und drittens können sie im Rahmen der Kreditfinanzierung ein Unternehmensvideo erhalten, was für eine eigene digitale Marketingeinbindung weiterverwendet werden kann.

Unumwunden dürfte Nölls Schlusssatz zuzustimmen sein, wonach für Mittelständler die Zusammenarbeit mit Start-ups und anderen innovativen Firmen aus dem Digitalbereich vorteilhafter sein dürfte als ohne.