Berlin FinTech Day 2015 – Vielfalt und Chancen der Berliner Start-up-Szene

Berlin FinTech Day 2015 – Vielfalt und Chancen der Berliner Start-up-Szene

von Christian Lücke - 07.12.2015

Der 1. Berliner FINTECH Day fand am Samstag, den 5. Dezember 2015 an der Freien Universität Berlin statt. Die Organisatoren um den Berliner Börsenkreis e.V. und die studentische Unternehmensberatung BC Pro e.V. wollten damit allen – vornehmlich studentischen – Interessierten einen Einblick in die innovative Start-up-Szene Berlins im Fintech-Sektor bieten. Für Pitches, Fachvorträge und Podiumsdiskussionen mit Vertretern der „alten Bankenwelt“ konnten etliche etablierte und namhafte FinTechs gewonnen werden, genauso wie solche, die es noch werden wollen und bereits mit spannenden Angeboten in den Startlöchern stehen. Natürlich war auch kapilendo als Vertreter der speziell auf Mittelstandsfinanzierung spezialisierten Crowdlending-Plattformen mit dabei.

Nach den ersten Pitches der auf Aktienanlage und Investmentfonds ausgerichteten Start-ups growney und Aktienfreunde stellte auch unser eher im Privatkredite-Bereich aktive Crowdlending-Mitbewerber Lendico das Prinzip des Peer-to-Peer-Lendings den Zuhörern vor. Abgerundet wurde die Pitch-Runde noch durch das Vergleichsportal BankingCheck, das es Privatleuten ermöglicht, ihre Erfahrungen mit Banken und FinTechs mitzuteilen, die dann in Form von Kunden-Siegeln veröffentlicht werden können. Weitere Fachvorträge wurden vom Crowdinvesting-Anbieter Bergfürst, dem Kontoanbieter Number26 oder der Social-Trading-Plattform wikifolio angeboten.

Zu viel Regulatorik erdrückt Banken und FinTechs

Ein daran anschließender Fachvortrag und die darauffolgende Podiumsdiskussion widmeten sich dem Thema Regulatorik und aufsichtsrechtlichen Pflichten im Sinne des Kleinanlegerschutzgesetzes. Neben kapilendo-CEO Christopher Grätz diskutierte auch Lendico-Vertreter Simon Baldus auf Seiten der FinTechs mit Dr. Matuschke von der Berliner Sparkasse, Dr. Hofmann von der Beratungskanzlei Linklaters und dem „Rockstar der Regulierung“ Dr. Bußalb von der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin.

Die beiden Crowdlending-Plattformen betonten, dass sie und die FinTechs keinesfalls eine Privilegierung bei regulatorischen Anforderungen erwarten, ein Vorwurf, der häufig von Seiten der etablierten Banken vorgebracht wird. Da zahlreiche FinTechs auch nicht die gleichen Aufgaben erledigen wie Banken, sondern etwa wie kapilendo als Online-Kreditmarktplatz funktionieren, der Kreditnehmer und Privatanleger zusammenbringen möchte, sollte für die Crowdlending-Plattformen auch nicht derselbe regulatorische Rahmen angewandt werden, wie er für eine Großbank mit ihrem vielfältigen Geschäftszweigen notwendig ist.

Crowdlending als komplementäres Finanzprodukt

Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass Crowdlending nicht dasselbe sei wie Crowdfunding, bei dem es eher um die Finanzierung von Start-ups geht und das Risiko eines Totalverlustes ungleich höher ist. Dieser Punkt musste so deutlich betont werden, da sich sowohl der Experte der BaFin als auch der Vertreter der Berliner Sparkasse doch sehr auf die mangelhafte Transparenz im FinTech-Bereich und im Crowd-basierten Sektor im Besonderen konzentrierten. Dabei geht es beim Crowdlending gerade um mehr Transparenz und mehr Entscheidungsfreiheit bei der Geldanlage, wie es sie bei den etablierten Geldhäusern eben nicht gibt. Christopher Grätz betonte daher auch noch einmal, dass er das Crowdlending als komplementäres Finanzprodukt für Unternehmen und Anleger zu jenen der Banken sehe, weniger als disruptives Element, welches die Banken zerstören soll. Einig waren sich aber alle Diskussionsteilnehmer darin, dass ein Zuviel an Regulatorik den Finanzmarkt langsam aber sicher abschnüren würde.

Dass die Banken wenig Sorge, aber auch wenig Neuerungsbedarf bei sich sehen, machte Sparkassen-Mann Dr. Matuschke noch einmal deutlich, als er am Schluss gelassen darauf verwies, dass die Berliner Sparkasse in wenigen Jahren ihren 200. Geburtstag feiern würde. Die Haltung des „Uns gibt es schon so lange“ und „Das haben wir schon immer so gemacht“ haben aber auch schon ganz andere Unternehmen wie die Privatbank Sal. Oppenheim oder der Fotofilm-Hersteller Kodak vertreten. Ob der runde Geburtstag der Sparkasse dann in drei Jahren tatsächlich so rauschend ausfällt wie erwartet, wird sich zeigen.

Weshalb kapilendo-CEO Christopher Grätz nur zuzustimmen ist, dass sich Banken und FinTechs, aber auch die aufsichtführenden Behörden vielmehr um eine Kooperation kümmern sollten, als sich gegenseitig konfrontativ gegenüberzustehen und durch ein Zuviel an Regulatorik den gesamten Finanzmarkt zu erdrücken.