Portfolio Aufbau Sind Sie „Feigling“ oder „Schmetterling“

Portfolio Aufbau: Sind Sie „Feigling“ oder „Schmetterling“?

Haben Sie schon einmal vom „Portfolio für Feiglinge“ (Coward´s Portfolio) gehört? Dabei handelt es sich um eine Empfehlung, wie sich private Anleger ein eigenes Investmentportfolio strukturieren können. Wie aber sieht es aus, das „optimal“ aufgebaute Portfolio für die eigene Geldanlage? Wie so oft, ist eine glasklare, für jeden Anleger gültige Aussage kaum möglich. Zu verschieden sind die spezifischen Lebenssituationen, Vermögensverhältnisse oder individuellen Risikoneigungen. Hier finden Sie ein paar Anregungen für den eigenen Portfolio-Aufbau.

Coward´s Portfolio – weniger Risiko durch Absicherungsstrategie

Zuerst, es ist nicht verkehrt, sich für die Variante der „Feiglinge“ zu entscheiden. Wenn Sie mögen, dürfen Sie sich auch lieber für dessen zweite Namensvariante „Smart Money Portfolio“ entscheiden. Der „Feigling“ im Namen bezieht sich hierbei nicht auf die Risikobereitschaft des Anlegers, sondern auf die Strategie, die eigenen Anlageentscheidungen abzusichern und verschiedenen Anlageklassen zu trennen.

Portfolio Aufbau: Sind Sie „Feigling“ oder „Schmetterling“?Im Grundsatz geht es für den geneigten Anleger darum, das eigene Depot diversifizierter über verschiedene Anlageklassen aufzustellen als es bei simpleren Portfolio-Varianten der Fall ist. Ins Depot gehören neben Aktien aus dem breiten (Heimat-)Index (Dax, S&P 500, FTSE 100) noch Aktien aus den kleineren Nebenwerte-Indizes (MDax, SDax, Russel 2000). In der Grafik sind diese dargestellt als LCB (Large Cap Blend 15%) und SCP (Small Cap Blend 5%). Dazu gesellen sich noch Wertpapiere nach dem Value-Prinzip, also unterbewertete Aktien, die noch eine ordentliche Wertentwicklung erwarten lassen (LCV = Large Cap Value 10% und SCV = Small Cap Value 10%). Der Star-Investor Warren Buffett investiert seit Jahrzehnten nach dem Prinzip des Value-Investing.

Weiterhin gehören für den „Feigling“ bzw. „Smart Money-Investor“ noch Immobilienfonds (REIT = Real Estate Investment Trust 5%) und Aktien außerhalb des eigenen Heimatmarktes hinzu (PAC = Pazifik / Asien 5%, EM = Emerging Markets / Schwellenländer 5%, EUR = Europa oder wahlweise auch USA 5%). Ein großer Anteil am Depot wird von kurzlaufenden Anleihen des eigenen Heimatmarktes eingenommen (STB = Short Term Bonds 40%).

Coffeehouse Portfolio – mit wenig Arbeit zum Anlageerfolg

Portfolio Aufbau: Sind Sie „Feigling“ oder „Schmetterling“?Dem Coward´s Portfolio bzw. Smart Money Portfolio im Aufbau sehr ähnlich ist das „Kaffeehaus-Portfolio“ (Coffeehouse Portfolio), allerdings ohne die kleinteilige Aufspaltung mit Absicherungsabsicht wie beim „Feiglings-Portfolio“. Dadurch benötigt diese Variante auch weniger Aufmerksamkeit und Aufbauarbeit, da sich der gesamte Aktienanteil in sechs 10%-Tranchen aufteilt. Die Aktien der Regionen außerhalb des eigenen Heimatmarktes werden unter dem Sammelbegriff WOR = World (10%) zusammengefasst, die häufig in Fonds des Index MSCI World enthalten sind. Die anderen Tranchen umfassen wieder Aktien des Heimatmarktes LCB (Large Cap Blend 10%, also Dax, S&P 500 usw.) und SCP (Small Cap Blend 10%, also SDax, Russel 2000 usw.). Dazu wieder Wertpapiere nach dem Value-Prinzip (LCV = Large Cap Value 10% und SCV = Small Cap Value 10%) und Immobilienfonds (REIT = Real Estate Investment Trust 10%)

Der Anleiheanteil am Portfolio umfasst wieder 40 %, wird dieses Mal aber vorwiegend in Anleihen mittlerer Laufzeit gehalten (ITB = Intermediate Term Bonds).

Golden Butterfly und Anlagemodell der Elite-Universitäten

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Der „Golden Butterfly“ trägt seinen poetischen Namen wegen seines Aussehens in Form eines Kreisdiagramms

Eine andere Portfolio-Struktur trägt den poetischen Namen „Goldener Schmetterling“ (Golden Butterfly) und gehört zu den Anlageempfehlungen, die teils von renommierten Wissenschaftlern entwickelt oder von Profiinvestoren angewandt und beworben werden. Der „Kopf“ besteht zu 25 % aus Gold im Portfolio, der „rechte Flügel“ aus Aktien (25% TDM = Total Domestic Market / gesamter Heimatmarkt und 25% SCV = Small Cap Value), der „linke Flügel“ aus kurz- und langlaufenden Anleihen (25% STB = Short Term Bonds und LTB = Long Term Bonds).

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Zur „Ivy League“ zählen 8 Universitäten im Nordosten der USA (Harvard, Yale, Brown, Columbia, Dartmouth, Cornell, Princeton, Uni Pennsylvania)

 

Das sogenannte „Ivy Portfolio“ versucht die Anlagestrategien der Elite-Universitäten Harvard und Yale zu imitieren. Zum Kreis der Ivy League zählen acht Elite-Hochschulen im Nordosten der USA, von denen die Yale University seit Jahren ein bei Profiinvestoren sehr geschätztes, weil äußerst erfolgreiches und lukratives Investmentmodell verfolgt. Dieses Modell basiert im Original allerdings zu einem großen Teil auf Private Equity-Beteiligungen, also Modellen, die Privatanlegern kaum zugänglich sind.

 

Die Strategie des Ivy Portfolios teilt sich zu je 20 % auf in die Bereiche REIT = Real Estate Investment Trust (Immobilienfonds), TDM = Total Domestic Market (Gesamtmarkt Aktien Heimatregion), WOR = World (Aktien weltweit), ITB = Intermediate Term Bonds (Anleihen mittlerer Laufzeit) und COM = Commodities (Rohstoffe).

Die klassischen Portfolio-Varianten

Einige Strategien sind auch denkbar einfach strukturiert und sollen auch genau das sein. Zum Beispiel steht das Portfolio „Classic 60-40“ für eine Strategie, die 60 % der Anlagesumme in Aktien (TDM = Total Domestic Market / gesamtes Marktspektrum) und 40 % des verfügbaren Geldes in Anleihen (ITM = Intermediate Term Bonds / mittlere Laufzeit) investiert. Dieses Modell findet sich auch in klassischen Mischfonds wieder, die eine etwas ertragsorientierte Wertentwicklung verfolgen. Eine der wohl bekanntesten, einfachsten und am häufigsten in Presseberichten genannten Portfolio-Zusammenstellungen nennt sich „Permanent Portfolio“. Hierbei wird zu je einem Viertel in Aktien (TDM = Total Domestic Market / gesamtes Marktspektrum), Anleihen (LTB = Long Term Bonds / langlaufend) und Gold investiert, das letzte Viertel wird als Cash-Bestand, etwa auch in Form von Tagesgeld oder Geldmarktanteilen (TBills = Treasury Bills), gehalten.

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Vermeiden Sie ein Übergewicht bei Regionen, Branchen und Anlageklassen

Umfasst ein Anlage-Depot bzw. ein Portfolio nur wenige Titel, hängt das Wohl und Wehe von den Entwicklungen einzelner Werte ab. Dabei ist es praktisch unerheblich, ob es sich bei den ausgewählten Titeln um Aktien, Sachwertinvestments oder Rohstoffe handelt. Gehören die Auswahltitel noch dazu nur einer einzelnen Branche an, gesellt sich zur mageren Titelauswahl noch ein Branchenklumpenrisiko hinzu. Also auch wenn Sie ein Fan deutscher Automobilhersteller sind, dann kaufen Sie nicht bloß Aktien von BMW, Daimler Benz und Volkswagen.

Neben dem Branchenklumpenrisiko existiert hier noch ein weiteres Anlegerverhalten, das bei einem Wirtschaftsabschwung oder Marktturbulenzen für Unruhe sorgen kann – der Home Bias. Dabei handelt es sich um ein weltweit zu beobachtendes Phänomen, nämlich der Vorliebe von Anlegern für heimische Unternehmen. Deutsche investieren am liebsten in den Dax, Amerikaner in den Dow Jones (oder S&P 500) und Briten in den Footsie (FTSE 100). Unter dem Gesichtspunkt der Diversifikation sollten Anleger also auch immer über den Tellerrand schauen und sich auch ausländische Titel ins Depot legen.

Die oben vorgestellten Portfolio-Varianten tragen dieser Vorliebe Rechnung, indem sie die Aktien- und Anleiheanteile weitgehend den eigenen Heimatmärkten zurechnen.

Um Crowdinvestments mit in die Portfolio-Struktur aufzunehmen, bieten sich kleinteiligere Portfolio-Strategien an. Hier müssen und sollten auch auf keinen Fall einzelne Portfolio-Bausteine durch Crowdinvestments ersetzt werden. Sie können aber das eigene Anleger-Portfolio um eine weitere Komponente erweitern. Denn sowohl beim Aufbau des grundlegenden Anlage-Portfolios als auch bei der Auswahl der einzelnen Komponenten gilt: Diversifikation ist Trumpf!

Grundregeln der Diversifikation beherzigen

Drei Grundregeln sollten Sie als Anleger bei der Diversifzierung immer beherzigen:

  • Achten Sie auf das (Über-)Gewicht Ihres Heimatlandes im Portfolio (Home Bias)!
  • Denken Sie daran, dass sich dieses Gewicht auch in einem diversifizierten Portfolio verändern kann. Der deutsche Aktienmarkt macht derzeit rund 3,2 % der weltweiten Marktkapitalisierung aus, der amerikanische Aktienmarkt 51,3 %. Beides muss und wird voraussichtlich nicht immer so bleiben und kann ins Verhältnis gesetzt gravierende Auswirkungen auf Ihre Anlagerendite haben.
  • Halten Sie ein global aufgestelltes und über verschiedene Anlageklassen diversifiziertes Portfolio.

Stellen Sie sicher, dass Sie nicht überinvestiert sind in Ihrer Heimatregion, überprüfen Sie regelmäßig Ihr Anlage-Portfolio und überlegen Sie sich, ob Sie nicht zusätzlich vermehrt in andere Regionen, Branchen und Anlageklassen investieren wollen.

So können Sie bei einem Ausbau Ihres Anlage-Portfolios Volatilität, also Schwankungen reduzieren, weniger riskant investiert sein und Ihre Anlageergebnisse verbessern.

 

 

Wenn Sie noch mehr Informationen und Portfolio-Vorschläge sehen möchten, dann finden Sie diese hier.

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