Unternehmerische Hochkaräter: Das bietet NOAH Conference. Sie findet zum ersten Mal in Berlin statt, obgleich die ursprüngliche Veranstaltung in London beheimatet ist. Wie der Slogan „Leaders connected“ schon andeutet, treffen sich bei der Veranstaltung zahlreiche Führungskräfte von Unternehmen, die sich im digitalen Umfeld behaupten. Von Marktführern (Facebook, Huffington Post) deutschen Aufsteigern (Check24, Kredittech) bis hin zu hoffnungsvollen Start-ups, die ihre ersten Finanzierungsrunden hinter sich haben (Cashboard).

Big Data, Diversity, Europa

Die großen Themen der Konferenz boten keine große Überraschungen. Aber sie genießen nochmal eine andere Wertigkeit, kommen sie aus dem Munde führender Unternehmer:

1. Big Data

Die Chance aus großen Datenmengen seiner Kunden sein Geschäft zu optimieren. Beinahe kein Vortrag kam ohne dieses Schlagwort aus. Die Bedeutung dieses Schlagworts verdeutlicht das Zitat von Sebastian Diemer, CEO von Kredittech: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“ Sie bilden einen Goldschatz, der unser Leben maßgeblich beeinflussen werde. Ihn zu heben und die richtigen Schlüsse zu ziehen, bleibt nach wie vor eine Kunst für sich. Arianna Huffington, die Queen der News, fasste das am Rande der Veranstaltung schön zusammen: „We are drowning in data and starving in wisdom.“

2. Diversity

Einige alt-eingesessenen Medienunternehmen propagierten „Diversify“. Wer sein Geschäftsmodell nicht ausweite und mit der Zeit gehe, werde untergehen, sagte Dr. Christian Wegner, Chief Digital & Adjacent Office bei der ProsiebenSat1 Media AG. Denn die Schwergewichte der hiesigen Märkte kämpfen nicht um die lokale Konkurrenten, wie Bertelsmann, sondern müssten mittlerweile in einem globalen Umfeld bestehen, wie Netflix, Facebook oder Google. In dasselbe Horn blies auch Donata Hopfen, Publishing Director and Head of Management bei Bild.

 

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3. Europa

Nun die NOAH ist vor allem eine europäische Messe, die vor allem den deutschen und europäischen Digital-Firmen eine Bühne bietet. Aber es gibt auch einige negative Fakten zur Gründer- und Investment-Szene zu berichten. Günther Oettinger, Digital EU Kommissar sagte in seinem Vortrag, dass es in Europa an drei wesentlichen Punkten fehle:

  • Es gäbe zu wenige Venture Capitalists, die Start-ups unterstützen, bzw., die entsprechende Geldmittel zur Verfügung haben, große Summen zu investieren.
  • Gerade die etablierten Unternehmen seien seiner Ansicht nach zu wenig aktiv, Start-ups in jeglicher Hinsicht zu unterstützen oder auch zu kaufen. Es sei also kein Wunder: „50 Prozent European start-ups are bought by non-European companies.“
  • Start-ups könnten in den USA schneller ein Exit erreichen. Deswegen versuchen Gründer bevorzugt ihr Geschäft in den Vereinigten Staaten auf den Weg bringen wollen.

Deswegen arbeite die EU derzeit an einer digitalen Strategie, wie andere Länder sie längst haben ( zum Beispiel Japan, South Korea). Positiv ist zu bemerken, dass sich in Berlin eine sehr starke und aktive Gründerszene etabliert hat. Jeden Tag werden in Berlin zwei neue Startups gegründet, sagt Dr. Jens Müffelmann, Axel Springer digital ventures.

Arianna Huffington NOAH 2015

4. Disruptive

Dieser Ausdruck bezeichnet im Start-up Kontext ein Unternehmen, das seinen Bereich völlig aufrollt. Eine Art Google, das die Suche im Internet auf eine völlig neue Basis gestellt hat. Kann ein Start-up das heutzutage noch schaffen, also disruptive zu sein? Die Frage wurde den ganzen Tag über gestellt. Die Experten auf der Konferenz sehen im Gesundheitsbereich die Chance dazu, obwohl Start-ups sehr lange Lebenszyklen durchlaufen und damit die Finanzierung durch Venture Capital wesentlich schwerer sei.

Die NOAH Konferenz ist eine äußerst interessante Veranstaltung, die auch durch ihre Internationalität andere Einblicke gewährt. Eine anspornendes Schlusszitat von Arianna Huffington: „Unless you are Kanye West or Muhammed Ali, try to be the Challenger, not the Champion.“ Denn so bleibe man innovationsfreudig. Eine akzeptierte Kultur des Scheiterns sei notwendig, um Fortschritte zu erzielen.

Morgen folgt eine kleine Zusammenfassung des zweiten Tages.

 

 

 

 

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