Wir verzichten auf Plastiktüten beim Einkaufen, interessieren uns für Elektroautos und sammeln Pfandflaschen. Der Anteil der Vegetarier und Veganer wächst stetig in Deutschland und im Freundes- und Bekanntenkreis steigt die Anzahl derer, die auf lange Flugreisen verzichten. Warum spielen solche Überlegungen beim Thema Finanzen bisher kaum eine Rolle?

Wie gelingt der Einstieg in eine ethische Geldanlage?

Die Börse genießt bisweilen einen schlechten Ruf. Die Immobilien- und Finanzkrise brachte Berichte über geldgierige Investmentbanker zu Tage, die immer wieder an die Grenzen des Erlaubten gingen (oder diese überschritten), um einen möglichst hohen Bonus einzusacken. Der Fall Wirecard zeigt das kriminelle Verhalten von Vorständen börsengeführter Unternehmen, welche die Öffentlichkeit mit fingierten Umsätzen täuschen und Milliardengewinne einstreichen. Mit Cum-Ex Geschäften schlossen sich alle großen deutschen Banken zusammen, um gemeinsam dem Staat Steuereinnahmen in Milliardenhöhe vorzuenthalten und damit die eigenen Bilanzen auf Vordermann zu bringen.

Auch wenn wir als Anleger und Investoren mit diesen Machenschaften nicht viel zu tun haben, so ist es dennoch eine sehr gute Idee, sich beim Thema Geldanlage Gedanken über seine persönlichen Werte und Grundsätze zu machen. Denn letztendlich unterstützt jedes Investment ganz aktiv ein bestimmtes Unternehmen in einer bestimmten Branche oder einem bestimmten Staat. Nicht jedem ist das bewusst, dass er zum Beispiel mit einem Aktienfonds tatsächlich Unternehmen aus der Rüstungs-, Pharma- oder Tabakindustrie unterstützt.

Natürlich können Anleger sich das bei Fonds-Investments nur bedingt aussuchen – Bayer und die Deutsche Bank gehören nun mal zu den im Index EUROSTOXX 50 enthaltenden Unternehmen. Wer in den europäischen Aktienmarkt investieren will, unterstützt damit fast automatisch auch diese Unternehmen. Aber es gibt Alternativen: Immer mehr Fonds- und ETF-Anbieter wählen ihre Investments nach ökologischen, ethischen oder sozialen Aspekten aus.

Der Markt für diese sogenannten nachhaltigen Geldanlagen wächst stetig. Heute werden in Deutschland 270 Milliarden Euro nach diesem Ansatz verwaltet – ein Plus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach einer aktuellen Studie von FNG macht dieses Volumen zwar gerade einmal rund 5 Prozent des Gesamtmarktes aus, es ist aber davon auszugehen, dass es in den kommenden Jahren deutlich mehr wird. Vor allem institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen treiben das Wachstum an. Sie werden regulatorisch dazu angehalten, ihr Vermögen zunehmend nachhaltig anzulegen. Die Kirchen haben dieses Thema schon länger besetzt und investieren kircheneigene Gelder im Einklang mit ihren Glaubensgrundsätzen. Bei privaten Anlegern ist „grünes Anlegen“ noch nicht so weit verbreitet.

Was ist „Nachhaltige Geldanlage“?

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt derzeit gut an. Fast ist er schon zu einem Marketing-Slogan verkommen. Jede Fondsgesellschaft behauptet von sich, ökologisch zu agieren und eigentlich schon immer nachhaltig gewesen zu sein. Das Problem: Jeder definiert „nachhaltig“ ein wenig anders.

Anbieter und Berater verwenden Begriffe wie:

  • ESG (kurz für Environment Social Governance): Umwelt, soziale Verträglichkeit und korrekte Unternehmensführung
  • SRI (kurz für Socially Responsible Investments): Sozial verträgliche und verantwortliche Investitionen. Ist „strenger“ als ESG zu sehen, weil Branchen-Wertung und die gute bzw. schlechte Presse eines Unternehmens mit einfließen.
  • Sustainability: Allgemein für Nachhaltigkeit

Oberflächlich betrachtet sagen sie alle das Gleiche: Investiert wird nur in Länder oder Unternehmen, die die Umwelt schonen und sozial verträglich sind. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail: Was ist „sozial verträglich“ und „umweltschonend“? Das bestimmen oft die Fonds- und Indexanbieter selbst. Wen wundert’s also, dass nachhaltige Fonds immer wieder in der Kritik stehen und für Verwirrung bei Anlegern sorgen.

Die Vereinten Nationen definieren Nachhaltigkeit folgendermaßen: „Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Und weiter: „Im Wesentlichen ist nachhaltige Entwicklung ein Wandlungsprozess, in dem die Nutzung von Ressourcen, das Ziel von Investitionen, die Richtung technologischer Entwicklung und institutioneller Wandel miteinander harmonieren und das derzeitige und künftige Potential vergrößern, menschliche Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen.“

Auch mit dieser Definition lässt sich in der Praxis kein Standard für Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage definieren. Folglich ist jeder Anleger selbst gefragt, seinen moralischen Maßstab bei der Geldanlage festzulegen. Wer also nachhaltig Geld anlegen will, hat neben den klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit auch seine ökologischen, sozialen und ethischen Gesichtspunkte zu berücksichtigen.

Welche Anlageprozesse werden bei nachhaltiger Geldanlage unterschieden?

Um ein nachhaltig ausgerichtetes Portfolio zusammenzustellen, hat das Fondsmanagement grundsätzlich drei unterschiedliche Ansätze:

  1. Ausschluss:

Ausschlusskriterien dienen dazu, Unternehmen oder Staaten vom Anlageuniversum auszuschließen, weil sie bestimmte Produkte herstellen oder bestimmte soziale, ökologische und governancebezogene Kriterien nicht erfüllen.  Auch Anlagen können ausgeschlossen werden, wenn sie bestimmten Wertvorstellung eines Investors nicht entsprechen oder gegen internationale Normen und Standards verstoßen, wie sie zum Beispiel von der OECD definiert werden.

Ein Ausschlussgrund für Unternehmen kann z.B. die Herstellung von Tabak, die grobe Verletzung von Menschenrechten oder der Verstoß gegen Arbeitsnormen sein. Für Staaten kann zum Beispiel die Anwendung der Todesstrafe oder eine hohe Korruptionsrate zum Ausschluss führen.

  1. best-in-class-Ansatz

Beim sogenannten „best-in-class“-Ansatz werden die Unternehmen oder Länder ausgewählt, die besonders führend hinsichtlich sozialer, ökologischer oder governancebezogener Kriterien sind. Das können zum Beispiel eine besonders umweltschonende Produktion, geringer CO²-Ausstoß oder effizienter Ressourcenverbrauch sein. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, beschäftigt beispielsweise der Indexanbieter MSCI hierfür eine ganze Mannschaft von Analysten, die ein ESG-Ranking erstellen. Grundsätzlich werden aber keine Branchen und Sektoren ausgeschlossen. Auch Energieunternehmen, die oft wegen Umweltaspekten in der Kritik stehen, finden sich so im Portfolio wieder. Allerdings wird nur in die „Besten“ investiert.  Bei den Energie-Unternehmen beispielsweise diejenigen, die auch auf alternative Energien setzen.

  1. Impact Investments

Beim Impact Investing wird vor allem in Unternehmen investiert, die neben dem Ertragsziel auch soziale und ökologische Ziele verfolgen. Impact Investments können auch bestimmte Industrien umfassen. Beispiele sind Mikrofinanz, Wasseraufbereitung oder Forstwirtschaft.

Welche Rendite ist mit nachhaltiger Geldanlage möglich?

Eine Frage, die immer wieder an uns herangetragen wird: „Kostet eine Investition in grüne ETFs Rendite?“ Zunächst ist festzuhalten: Eine nachhaltige Anlage bleibt zunächst eine Geldanlage mit Chancen und Risiken. Investitionen in nachhaltige ETF unterliegen ähnlichen Werttreibern, wie die Anlage in einen klassischen, nicht nachhaltigen ETF.

Ob diese für den Anleger von Vor- oder Nachteil sind, darüber streiten die Gelehrten. Die Frage, ob eine Investition in nachhaltige Produkte Rendite kostet, wird unterschiedlich beantwortet. Es gibt Studien, die herausgefunden haben, dass ein gewisser Renditeverzicht mit grünen Investments einhergeht. Andere Studien wiederum stellen keinen Zusammenhang zwischen ESG-Investing und Rendite fest. Im Gegenteil: Durch die Reduktion von Eventrisiken, wie sie zum Beispiel bei einer Umweltkatastrophe von schlecht geführten Ölproduzenten hervorgerufen werden kann, sind nachhaltige Investments für die Renditeerzielung durchaus förderlich.

Auch wenn nachhaltige Anlageprodukte in der Regel etwas teurer sind als ihre klassischen Pendants, so steht aus unserer Sicht der Beweis noch aus, ob ESG-Kriterien der Rendite eher schaden oder helfen. Nach unseren Beobachtungen mit realen Portfolien gibt es Phasen, wo ESG eher hilft und Phasen, wo es eher schadet. Über einen längeren Zeitraum haben sich die nachhaltigen Kapilendo-Portfolien den klassischen Varianten hinsichtlich Rendite und Risiko immer wieder angeglichen.

Gelingt die Diversifikation mit ESG-Investments?

Diversifikation bedeutet, Anlagen breit zu streuen, zum Beispiel in unterschiedliche Unternehmen, Branchen, Länder, Anlageklassen, usw., um damit das Risiko zu reduzieren, ohne dadurch die Renditechancen abzuschneiden. Um breit streuen zu können, bedarf es natürlich auch eines breiten Anlageuniversums. Auch wenn der Trend zu nachhaltigen Geldanlagen eine Vielzahl neuer Anlageprodukte hervorgebracht hat, ist die Auswahl im Vergleich zu traditionellen Produkten allerdings weiterhin gering. Findet man beispielsweise für europäische Aktien über 300 ETFs, so reduziert sich die Anzahl der Produkte mit ESG-Filter auf unter 40. Bei aktiven Fonds sieht das ähnlich aus.

Auch innerhalb eines Index können die Risiken „verklumpen“. Hält der beliebte MSCI World Index noch über 1.600 Aktienunternehmen, so sind es bei ETF Anbieter UBS nur noch 386, die einen ESG Welt-Index abbilden.

Meine Erfahrung ist, dass mit den heutigen Produkten ein ausreichend diversifiziertes Portfolio möglich, aber nicht ganz einfach ist. Je größer die Einschränkung ist, was jeder Anleger selbst noch für nachhaltig hält und was nicht, desto mehr leidet die Effizienz des Portfolios. Oder anders ausgedrückt: Je strenger Anleger Nachhaltigkeit definieren, desto mehr wird ihre Geldanlage von ideologischen Vorstellungen und nicht mehr von einem sinnvollen Rendite-Risiko-Verhältnis getrieben.

Das GREEN Portfolio bei Kapilendo

Nachhaltigkeit ist bei Kapilendo ein integraler Bestandteil, sowohl im täglichen Umgang in unserem Team als auch mit unserem Handeln nach außen. Mit unseren Anlagemöglichkeiten möchten wir unseren Kunden die Chance geben, Mitverantwortung für die nachhaltige Funktionsfähigkeit unseres gesellschaftlichen Systems in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht zu übernehmen. Dabei wollen wir aber keine ideologische Richtung vorgeben. Unsere GREEN ETF-Portfolien setzen daher die erfolgreichen, klassischen Portfoliostrategien mit einem breiten Spektrum an nachhaltigen ETFs um.

Erstes Ziel bei der Zusammensetzung ESG-konformer Strategien war es, vergleichbare Risiko- und Renditeeigenschaften im Vergleich zu den klassischen Portfolien zu erreichen. Dafür haben wir hunderte von unterschiedlichen Zusammensetzungen getestet und wieder verworfen. Portfolien mit Klumpenrisiken wurden ebenso aussortiert wie solche, die nicht global investierbar waren. Durch die Einbeziehung von ETFs mit Ausschlusskriterien, als auch Best-in-Class Ansätze und Impact Investing konnten wir schließlich ein Portfolio zusammenstellen, was unseren Ansprüchen genügte.

Beim Allwetter ETF-Portfolio Green nutzen wir beispielsweise 20 ETFs (21 sind es im klassischen Allwetter ETF-Portfolio), von denen lediglich sieben keinen expliziten Fokus auf Nachhaltigkeit haben. Von diesen sieben ETFs legen fünf in Staatsanleihen von Industrieländern wie den USA und Deutschland an. Auch den anderen zwei Produkten handelt es sich um Rohstoffe, wo es ebenfalls keine ESG-konformen Produkte gibt.

Über einen Anlagezeitraum von zwei Jahren liegt der Renditeunterschied zwischen der klassischen und grünen Variante des Allwetter-Portfolios nach Kosten bei gerade einmal 0,15%-Punkten. Unser nachhaltiges Portfolio erzielte mit +7,50% zwar eine leicht schwächere Wertenwicklung als unsere klassische Variante. Allerdings liegen beide Portfolien deutlich vor der Entwicklung ihrer Benchmarks (-2,0%), des DAX-Index (-3,8%) und Eurostoxx50-Index (-9,8%). Auch die Risikokennzahlen unterscheiden sich nur geringfügig voneinander.

Fazit

Nachhaltige Geldanlage wächst. Noch sind es vor allem institutionelle Investoren, die eine sozial- und umweltverträgliche Geldanlage unterstützen. Doch auch die Zahl privater Anleger steigt. Ihn stehen dafür auch mehr und mehr grüne Anlageprodukte zur Verfügung. Da es keinen allgemeingültigen Standard für Nachhaltigkeit gibt, fällt die Auswahl jedoch schwer. Anleger stehen vor dem Spagat, zwischen der persönlichen Haltung, was „nachhaltig“ für sie bedeutet und einem effizienten Portfolio, welches die Kriterien Rendite, Risiko, Liquidität und Nachhaltigkeit gleichermaßen berücksichtig.

Mit den GREEN Portfolien geht Kapilendo klar den letzteren Weg. Nachhaltigkeit soll für uns kein Verzicht auf gute Anlageergebnisse bedeuten. Daher verfolgen unsere Portfolien in erster Linie unseren erprobten Anlagestrategien, umgesetzt mit einem breiten Spektrum an nachhaltigen Anlageprodukten. Aufgrund unserer Erfahrung sind wir der Meinung, dass so eine ebenso erfolgreiche wie nachhaltige Wertpapieranlage gelingen kann.

Passende Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.