Welche Altersvorsorge eignet sich für Berufseinsteiger? Ist die Börse nicht ein Widerspruch zur Vorsorge? Und kann ich mit 40 in Rente gehen?

Ob von unseren Kunden oder im privaten Umfeld: Wir werden jeden Tag aufs neue mit spannenden Fragen begrüßt. Gefühlt steigt aktuell die Sorge um die finanzielle Sicherheit während der Rentenzeit bei vielen Bundesbürgern dramatisch. Der demographische Wandel und die niedrigen Zinsen lassen grüßen. Wir sind uns sicher, dass viele andere Menschen die gleichen Fragen beschäftigen, weshalb wir die wichtigsten einmal für Sie zusammengefasst haben – natürlich inklusive unserer Antworten. Los geht’s!

„Ich bin 27 und steige jetzt nach dem Master-Studium in meinen neuen Beruf ein. Soll ich überhaupt fürs Alter vorsorgen und wenn ja – wie?“

Die beste Altersvorsorge sieht je nach Lebensabschnitt anders aus. Wenn ich 20 Jahre alt bin, bin ich vielleicht gerade erst mit der Schule fertig und fange an zu studieren. Ich weiß noch gar nicht, wie das nächste Kapitel aussieht. Will ich Wohnung, Partner, Kinder, und wenn ja, wie viele? Wenn ich all das noch nicht weiß, ist Flexibilität mein Gewinn. Über Rente – ob mit 40 oder 67 – machen sich die wenigsten Gedanken.

In der Situation kann es erstmal sinnvoll sein, Rücklagen auf dem Tagesgeldkonto zu parken, auch wenn das keine Zinsen bringt. Das ist der Preis der Flexibilität. Wenn das persönliche Budget es erlaubt, sollte man jedoch möglichst früh versuchen, das eigene Anlagespektrum zu erweitern – idealerweise mit einem breit diversifizierten ETF-Sparplan. So minimiert man das persönliche Risiko Opfer eines lückenhaften Rentenversicherungssystems zu werden und bleibt im Alter finanziell unabhängiger.

„Ich habe keine Ahnung von Bilanzen und weiß nicht was ein KGV ist. Wie lege ich mein Geld an der Börse am besten an?“

Keine Sorge, bei der Geldanlage ist es nicht wichtig, die Bedeutung einzelner Finanzkennzahlen im Detail zu kennen. Wichtig ist es zu wissen, dass die Wirtschaft langfristig immer wächst, auch wenn es das ein oder andere negative Wachstumsjahr gibt. Dieses Wachstum wird von Unternehmen getragen, welche – im Fall der Börsennotierung – in einem der globalen Indizes abgebildet sind. Logischerweise wachsen auch die meisten dieser Unternehmen auf lange Sicht.

Und dieses Wachstum lässt sich am besten über ETFs im eigenen Portfolio nachbilden. Ein ETF ist ein passiver Fonds, der einen bestimmten Aktienindex, z.B. den DAX, abbildet. Dadurch, dass es keinen Fondsmanager gibt, der den Fonds aktiv steuert, sind ETFs vergleichsweise günstig. In der Regel liegen die Kosten bei deutlich unter einem Prozent.

Gerade für Berufseinsteiger lohnt sich ein ETF-Sparplan, bei dem man monatlich in Raten einzahlt. Das geht teilweise schon ab einem Euro.

„Jetzt mal ganz ehrlich: ist Vorsorge an der Börse nicht zu riskant?“

Viele haben Angst vor Schwankungen an der Börse, das können wir sehr gut verstehen – uns ging es vor 20 Jahren genauso. Sie denken: Ich will vorsorgen, mein Ziel ist also Sicherheit, und dafür soll ich Risiko eingehen? Das passt einfach nicht zusammen. Doch das stimmt nicht, es passt sehr wohl zusammen. Wenn man Altersvorsorge als das versteht, was es wirklich ist, nämlich langfristiges Sparen, dann relativieren sich auch viele der Risiken.

Der DAX hat sich über die vergangenen 30 Jahre im Durchschnitt positiv entwickelt – mit ca. 7 Prozent Rendite pro Jahr. Klar, viele Gewinne sind Anfang der 2000er und später während der Finanzkrise wieder abgegeben worden, aber langfristig ist der deutsche Leitindex ordentlich gewachsen. Wer jedoch darauf setzt, kurzfristig hohe Gewinne zu erzielen, um mit 40 in Rente zu gehen, der riskiert im Zweifel sein eingesetztes Kapital zu verlieren. So auch viele Anleger, die während der Dotcom-Blase ihre gesamten Rücklagen in Tech-Werte investiert haben.

„Wie soll ich mich zwischen all den ETFs entscheiden?“

Die Devise ist: je einfacher, desto besser. ETFs haben den Vorteil, dass sie sich an einem bestimmten Aktienindex orientieren, es gibt also keinen Fondsmanager, der „vermeintlich“ besonders renditestarke Titel aussucht. Das schafft ohnehin kaum jemand längerfristig.

Welche ETFs sind die richtigen? Möglichst welche, die wirklich geringe Kosten haben – denn auch bei ETFs gibt es einige schwarze Schafe, bei denen die Kosten dann doch nicht so gering sind. Wichtig ist auch eine breite Streuung, zum Beispiel über den MSCI World, der trotz des Namens nur die Industrieländer abdeckt. Wer noch Schwellenländer abdecken möchte, kann und „sollte“ dies auch tun, da das langfristige Wachstumspotential trotz höherer Risiken groß ist.

Wer es etwas entspannter mag, sollte sein Geld nicht zu 100 Prozent in Aktien investieren, sondern etwa noch Staats- und Unternehmensanleihen, Gold oder eben Tagesgeld mit in den Anlagemix nehmen. Das bringt zwar weniger Rendite, ist aber auch weniger Schwankungen (und Stress) unterworfen.

„Die Rente mit 40 ist für viele ein Traum. Wie realistisch ist sie wirklich?“

Für die meisten ist es schwierig, die Rente mit 40 umzusetzen, wenn sie keine großen Rücklagen bilden konnten. Die durchschnittliche Rest-Lebenserwartung in Deutschland liegt aktuell bei etwa 42 Jahren. Man bräuchte mit 40 ca. eine Million Euro an Rücklagen, um sich bis zum Alter von 82 Jahren per Kapitalverzehr etwa 2.000 Euro jeden Monat auszuzahlen. Das ist sehr ambitioniert. Wer mit 20 anfängt und mit 40 in den Ruhestand möchte, müsste jeden Monat fast 4.000 Euro zurücklegen.

Wofür auch der ganze Druck? Mit dem richtigen Job, der wirklich Spaß macht und Erfüllung bringt, sollte sich die Frage nach der Rente mit 40 gar nicht erst stellen. Vielen geht es ja auch gar nicht um einen harten Ausstieg, sondern um mehr finanzielle Unabhängigkeit im Alter. Da hilft ein breit gestreutes Portfolio aus ETFs, das frühzeitig aufgebaut wird sehr.

Dann kann man sehr wahrscheinlich nicht mit 40, aber doch mit Mitte 50 nochmal schauen: Wie weit ist man seinem Ziel näher gekommen, was braucht man noch? Vielleicht hat sich inzwischen auch noch etwas ergeben, etwa eine kleine Erbschaft oder eine größere Abfindung. Man kann sich dann immer noch dazu entscheiden, im Beruf zurückzufahren und auf Teilzeit umzusatteln oder eine 180°-Drehung zu machen und komplett was Neues zu starten. Wichtiger als die Frage, ob man mit 40 in Rente gehen kann ist die Frage: „Bin ich eigentlich glücklich“? Wer das mit „Ja“ beantworten kann, lebt in der Regel ein deutlich stressfreieres Leben.

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