Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten an den Finanzmärkten entscheiden sich immer mehr Anleger dafür in Gold zu investieren. Die Erfahrungen der Hyperinflation der 1920er Jahre und der Finanzkrise 2007/08 haben tiefe Spuren in der DNA deutscher Sparer hinterlassen.

Aktuelle Berechnungen der Steinbeis-Hochschule zeigen: Deutschland sitzt auf so viel Gold wie noch nie – ungefähr 8.918 Tonnen des Edelmetalls befinden sich aktuell im Privatbesitz der Bundesbürger. Rechnet man die Goldreserven der Bundesbank hinzu, befinden sich etwa 6,5 Prozent der weltweiten Goldvorräte in deutschem Besitz. Was macht diese Anlageklasse gerade jetzt so spannend für Anleger?

Gold als Krisenwährung in stürmischen Zeiten

Die US-Notenbank hat kürzlich wieder die Zinsen gesenkt und auch die Europäische Zentralbank bleibt ihrer Niedrigzinspolitik treu, um die europäische Wirtschaft vor einem Konjunkturtal zu bewahren. Die Folge: festverzinste Geldanlagen (Staatsanleihen) werden sich bis auf weiteres kaum noch lohnen.

In physische Gold investieren kann in der Krise sinnvoll sein

Der Blick vieler Anleger richtet sich in solchen Phasen auf Gold. Seit Jahrzehnten gilt das Edelmetall als wertbeständiger und sicherer Hafen für das eigene Vermögen. Angesichts der politischen Risikoherde in Europa, USA und Asien wird eine Absicherung durch Gold bei Anlegern immer beliebter. Seit Oktober 2018 ist der Goldpreis je Feinunze um etwa 300 US-Dollar (+26,9 Prozent) auf über 1.500 US-Dollar angestiegen. Zum Vergleich: Der DAX verlor im gleichen Zeitraum etwa 0,5 Prozent.

„Wer in Gold investiert, sichert sich nicht gegen Krisen ab“

Viele Anleger begehen einen Denkfehler und legen in stürmischen Zeiten vermehrt in Gold an, um ihr Vermögen zu schützen. Gold ist jedoch kein Krisenmetall, wie oft behauptet, sondern am Ende des Tages eine Währung – die Währung der letzten Instanz.

„Gold wird immer einen Wert haben“ sagt unser Chefstratege Björn Siegismund. Sein Wert jedoch hängt vom Vertrauen der Menschen in das globale Finanzsystem ab. Wer erwartet, dass die Inflation an der Kaufkraft seines Ersparten nagt, dass – im (unwahrscheinlichen) Extremfall – ganze Währungen untergehen, der verliert Vertrauen und investiert deshalb in physisches Gold. So auch in den Jahren zwischen 2007 und 2011, als der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems drohte und die Eurozone ihre erste große Zerreißprobe überstehen musste. Damals kletterte der Goldpreis auf mehr als 1.900 US-Dollar je Feinunze. Seitdem ist der Kurs deutlich gesunken. Was ist passiert?

Naivität von Anlegern führte zum Absturz des Goldpreises

Deutsche investieren verstärkt in physisches GoldNach der Finanzkrise sind Sorgen vieler Investoren um den Zustand des globalen Finanzsystems der Überzeugung gewichen, dass Politik und Notenbanken das weltweite Bankensystem stabilisiert hätten. Die Renditen von Staatsanleihen sind drastisch gefallen und der Aktienmarkt hat seitdem kräftig zugelegt. Gute Aktien waren bislang der größte Konkurrent des Goldes. Denn im Gegensatz zu ihnen wirft Gold keine zusätzliche Rendite in Form von Dividenden ab. Und gerade im Niedrigzinsumfeld sind Aktien fundamental gut aufgestellter Unternehmen unverzichtbar für den Vermögensaufbau.

Doch ist das Finanzsystem wirklich sicherer geworden? Diese Einschätzung vieler Anleger halten wir leider für sehr naiv.

Schauen wir uns doch einfach mal die Geldpolitik der Notenbanken an. Weltweit überbieten sie sich gerade darin, ihre Geldmengen auszuweiten, um zahlreiche Industriestaaten vor dem finanziellen Zusammenbruch zu bewahren und deren Wirtschaft zu stimulieren. Der Ausgang dieses Experiments ist ungewiss und die Risiken steigen stetig. Scheitert das Experiment, wird das Vertrauen der Menschen in das Papiergeldsystem schwinden. Dann könnte Gold seine Funktion als Währung der letzten Instanz ausüben, denn Gold ist im Vergleich zu Papiergeld nicht beliebig vermehrbar und hoch liquide. Das macht das Edelmetall aus unserer Sicht zum besseren Wertaufbewahrungsmittel als klassisches Giralgeld.

Gold gehört in ein breit aufgestelltes Portfolio

Vergleichen Sie den Goldanteil in einem Portfolio am besten mit einer Versicherung für das eigene Haus. Kein vernünftiger Mensch wird sich wünschen, dass sein Haus niederbrennt, nur um die Versicherungsprämie einnehmen zu können. Genauso denken wir: Wir hoffen nicht auf einen möglichst hohen Goldpreis, um damit Rendite zu erzielen. Denn das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass es an anderer Stelle in der Weltwirtschaft ganz gewaltig brennt – und das wünscht sich hoffentlich keiner.

Wer Gold kaufen möchte, hat häufig den Wunsch in eine krisensichere Form der Geldanlage zu investieren, die einen gewissen Schutz vor Inflation und Währungskrisen bietet.

Björn Siegismund, Chefstratege der Kapilendo AG

Der Wert des Edelmetalls als Versicherung lässt sich sehr gut am Beispiel der Türkei beobachten, wo die Inflation die Kaufkraft der Lira auffrisst. In Lira gerechnet ist der Goldpreis seit Anfang 2017 überproportional gestiegen und hat sich aus Sicht türkischer Goldanleger also längst bezahlt gemacht.

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn Währungen schwach sind, dann ist Gold stark. Und an schwachen Währungen dürfte in den kommenden Jahren unseres Erachtens kein Mangel sein. Deshalb sind wir der Überzeugung, dass Gold in jedes breit aufgestellte Depot gehört.

Wie können Sie in Gold investieren?

In Gold kann auf unterschiedliche Weise investiert werden. Viele Goldliebhaber investieren lieber in physisches Gold, das sie auch anfassen können – also Münzen und Barren. Anleger sollten bei der Aufbewahrung stets Kosten und Sicherheit abwägen. Der Safe im eigenen Haus ist möglich, ein versicherter Banksafe kann sich bei größeren Mengen lohnen. Es empfiehlt sich bei der häuslichen Aufbewahrung zu prüfen, inwiefern das Gold im Rahmen der Hausratsversicherung abgesichert ist.

GoldbarrenDer Verkauf der eigenen Goldbestände ist relativ simpel. Zu beachten ist hier für Anleger noch eine steuerliche Besonderheit. Wer das Edelmetall erwirbt und erst nach einem Jahr wieder verkauft, muss diesen Gewinn nicht versteuern – halten kann sich also im Einzelfall lohnen.

Neben Barren und Münzen gibt es auch Finanzprodukte mit dem Schwerpunkt Gold. Das können Investmentfonds, Aktien, Zertifikate oder ETF-Fonds sein. Eine weitere Möglichkeit sind Goldsparpläne. „Unabhängig von der Anlageform, sollten sich Anleger im Vorfeld genau über die Vor- und Nachteile der einzelnen Formen informieren, um nicht ungewollt Risiken einzugehen oder überteuerte Produkte zu kaufen“, rät Björn Siegismund, Chefstratege von Kapilendo. Erst dann ist die Zeit reif für eine Entscheidung.

Erfahren Sie hier, wie ein wetterfestes Portfolio mit Gold aussieht.

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