Sauberes Trinkwasser ist ein Menschenrecht. Wir haben uns vergangene Woche mit Bastian von der Viva con Agua zusammengesetzt und über die Geschichte und Zukunftspläne des Vereins gesprochen, welcher Menschen – weltweit – Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen möchte.

Kuba gilt als Geburtsort der Viva con Agua Idee. Wie genau kam es zur Gründung?

Das ist ziemlich einfach zur erklären. Der Initiator, Benjamin Adrion, war damals als Profi-Kicker für den FC St. Pauli in Kuba im Trainingslager und ist dort auf die Probleme bei der Trinkwasserversorgung aufmerksam geworden. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland hat  er angefangen, aktiv etwas gegen diese Missstände zu unternehmen.

Wieso gerade der Zugang zu sauberem Trinkwasser? Gibt es nicht dringlichere Probleme wie Klimawandel oder Lebensmittelverschwendung?

Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Es ist für das Leben der Menschen essentiell wichtig – und deshalb zurecht ein Menschenrecht. Außerdem hängen all diese Themen ja irgendwie zusammen. Eine Folge des Klimawandels, der unter anderem durch Lebensmittelverschwendung verstärkt wird, sind zum Beispiel häufiger auftretende Dürren, die den Wassernotstand in bestimmten Regionen steigen lassen. Die derzeitige Entwicklung ist allerdings gar nicht so schlecht: Bei der Gründung von Viva von Agua 2006 gab es weltweit über eine Milliarde Menschen ohne Zugang zu einer sauberen Trinkwasserversorgung. Heute sind es „nur“ noch 579 Millionen Menschen. Das liegt selbstverständlich nicht allein an Projekten von Viva con Agua, der Rückgang um etwa 50 Prozent zeigt jedoch, dass unsere Vision, in dieser Generation allen Menschen weltweit den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, gar nicht völlig unrealistisch ist.

Das erste Projekt ließ nicht lange auf sich warten?

Foto von Hinrich Carstensen

Genau. Das erste Projekt entstand aus dem sehr sozial geprägten Umfeld des FC St. Pauli heraus. Es stellte sich heraus, dass die Welthungerhilfe in Kuba aktiv war und sich als Partnerorganisation eignete, um dort ein erstes Trinkwasserprojekt umzusetzen. Dafür haben wir 50.000 Euro gesammelt. Hebammen haben für jede Wassergeburt fünf Euro gespendet, einige prominente Fans des FC St. Pauli haben sich von Beginn an engagiert und dafür gesorgt, dass das Geld schnell zusammen kam. Außerdem konnte Benjamin Adrion alte Kumpels aus Stuttgarter Zeiten von seiner Idee überzeugen und motivieren, nach Hamburg zu ziehen, um gemeinsam nach dem ersten Erfolg den Verein zu gründen.

Und 2008 kam die Gründung in der Schweiz?

Korrekt. Das Gründer-Team ist vor der Fußball-Europameisterschaft, die 2008 in Österreich und der Schweiz stattfand, gemeinsam mit einer größeren Gruppe von Hamburg nach Basel gelaufen. Der erste sogenannte WaterWalk. TV-Moderator Jörg Pilawa, der zuvor schon mit der Welthungerhilfe zusammengearbeitet hatte, spendete für die Aktion ein hölzernes Fahrrad aus der Republik Kongo und auf dem Weg gab es zahlreiche Guerilla-Aktionen. Die Jungs haben Hörsäle gestürmt, Konzerte organisiert und so auf ihre Vision „Wasser für alle“ aufmerksam gemacht. In der Schweiz wurde dann der Grundstein gelegt für die Gründung des Schweizer Vereins.

Du bist seit April 2019 bei Viva con Agua dabei. Konntest du schon Erfahrungen „live“ vor Ort in den Projektgebieten sammeln?

Ich war kürzlich in Uganda, wo wir seit 2010 Projekte der Welthungerhilfe unterstützen. Es war spannend zu sehen, was ich vorher nur vom Hörensagen kannte. Wir waren eine knappe Woche lang in ländlichen Gebieten unterwegs, in denen die Menschen sehr einfach leben. In einer der Communitys war eine andere Gruppe von Viva con Agua Anfang des Jahres schon einmal, weil sie eher zufällig davon gehört hatte, dass ein Brunnen kaputt und die Community seit acht Tagen ohne Wasser war. Daraufhin haben wir gemeinsam mit der Welthungerhilfe einen zweiten Brunnen gebaut, damit die Menschen dort nicht von einem einzigen Brunnen abhängig sind.

Wie haben die Menschen in den Gebieten euch aufgenommen?

Foto von Christoph Köstlin

Sehr freundlich. Es ist ja für beide Seiten eine ungewöhnliche Situation. Man muss sich immer vor Augen führen, dass man in einen Kulturkreis kommt, der mit unserem wenig gemein hat. Aber wir setzen bei unserer Arbeit vor Ort stark auf die universellen Sprachen Kunst, Musik und Sport. Dadurch, dass wir häufig mit lokalen Künstlern und Musikern in neue Projektgebiete gehen, kommen wir schneller in Kontakt mit den Menschen und stellen so von Anfang an eine gute Vertrauensbasis sicher. So wurden wir schnell in rituelle Tänze eingebunden und sind tanzend durch das Dorf zum Brunnen gezogen. Es ist berührend zu sehen, welche Bedeutung der Zugang zu Wasser für die Menschen dort hat und welchen Impact die Arbeit von Viva con Agua und der Welthungerhilfe dann hat.

Für Unterstützer der Trinkwasserprojekte ist es wichtig, dass die Spendengelder in guten Händen sind. Wie schafft die Organisation Viva con Agua eine transparente Gestaltung seiner Projekte?

Wir tun, was möglich ist. 80 Prozent aller Spenden fließen in konkrete Projekte im In- und Ausland, 20 Prozent benötigen wir für Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit. 2018 haben wir über 2 Millionen Euro in Projekte weitergeleitet. Dieses Jahr knacken wir sehr wahrscheinlich die 3 Millionen Marke. Über all das können sich die Spender und Spenderinnen in unserem Jahresbericht und auf unserer Webseite informieren. Dort finden sie auch Infos zu allen Projekten, denn wir bauen ja nicht nur Brunnen. Aktuell unterstützen wir zum Beispiel ein Projekt in Tanzania, bei dem mit Nebelkollektoren Wasser gesammelt wird.

Wir haben aber auch einige Inlandsprojekte. Wir sind häufig an Schulen unterwegs, halten dort Vorträge und veranstalten Spendenläufe. Ziel ist es Menschen frühzeitig an das Thema heranzuführen, ihnen eine niedrigschwellige Möglichkeit zu bieten, sich zu engagieren und vor allem zu zeigen: Engagement kann richtig Spaß machen!

Was hat es mit dem Viva con Agua Mineralwasser auf sich?

Die Viva con Agua Wasser GmbH ist ein ausgegründetes Unternehmen, das als Social Business funktioniert. Die GmbH hat einen Lizenzvertrag mit dem Husumer Mineralbrunnen und alle Gewinne aus den Lizenzgebühren fließen zurück an unseren Verein und somit in die Projekte. 2010 wurde die erste Flasche verkauft, letztes Jahr waren es etwa 30 Millionen. Fast noch wichtiger als die Einnahmen ist die Funktion der Flaschen als Flyer und Erstkontakt. Die Leute kaufen die Flasche, sehen unser Logo und die Message und werden möglicherweise aktiviert uns zu unterstützen.

Das ist eine unglaubliche Entwicklung! Was ist im kommenden Jahren alles geplant?

Foto von Lea May

Nächstes Jahr hat die „Viva con Agua“-Idee 15-jähriges Jubiläum. Und insbesondere um den Weltwassertag am 22. März werden wir mit einigen Aktionen sehr viel für unsere Mission trommeln. Da wird es zum Beispiel die „Music creates Water“-Kampagne geben, bei der wir zahlreiche Sofa-Konzerte organisieren, die in kleinen Clubs und Wohnzimmern stattfinden. Alles ohne Eintritt, dafür können die Leute aber sehr gerne spenden.

Gerade haben wir außerdem eine Kampagne am Laufen, bei der Prominente Bilder von sich mit einem Schild „Water is a Human Right“ machen. Dieses Schild gibt es jetzt auch virtuell als Instagram Filter. Ziel ist es bis Ende des nächsten Jahres über die Kampagne eine Million an Spendengeldern zu bekommen. Damit können wir den Bau von etwa 100 Brunnen in Äthiopien finanzieren und rund 100.000 Menschen den Zugang zu frischem Trinkwasser ermöglichen.

Schenken auch Sie Kindern auf der ganzen Welt  – mit einer Spende –  Zugang zu sauberem Trinkwasser.

 

 

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