Die Zeichen stehen auf Wachstum. Der Jahresumsatz steigt kontinuierlich. Neue Mitarbeiter kommen dazu. Die Perspektive für Folge- sowie Neuaufträge ist besser als gedacht. Geplant war so viel Wachstum nicht. Allerdings entstehen in Phasen starken Wachstums große Herausforderungen, die Unternehmer nicht unterschätzen sollten. Jetzt ist es ratsam, kurz innezuhalten und für klare Linien im Unternehmen zu sorgen. Strukturen schaffen, bevor das Unternehmen unkontrolliert wächst. Den anfänglichen Erfolg möchte kein Unternehmer gefährden. Für nachhaltiges Wachstums sollten Gründer daher folgende Punkte unbedingt beachten.

1. Die Strukturen verändern sich: Eine Unternehmenskultur muss her

Gerade in der Anfangsphase verteilen die Gründer ihre Aufmerksamkeit auf maximal fünf bis zehn Mitarbeiter. Der direkte Kontakt ist deutlich intensiver, man kann sich öfter austauschen und gemeinsam an der Weiterentwicklung arbeiten. Sobald das schnelle Wachstum ansetzt, wird es für die Geschäftsführer nicht mehr möglich sein, jedem Mitarbeiter seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Das führt oft zu höheren Fluktuationsraten und einer steigenden Unzufriedenheit in der Belegschaft. Gründer müssen dafür sorgen, dass die Organisation mitwächst und eine Kultur entsteht, die von allen gelebt wird und besonders Selbständigkeit fördert.

Eine gesunde, passende und klar kommunizierte Unternehmenskultur ist das, was ein schnell wachsendes Unternehmen zusammenhält. Das, was wir mit zehn Mitarbeitern gemacht haben, funktioniert mit 50 eben nicht mehr. Je größer eine Firma, umso wichtiger ist es, sich mit Fragen der Organisation zu befassen. Das macht zwar nicht immer Spaß, ist aber unerlässlich, um Wachstumsschmerzen frühzeitig entgegenzuwirken.

Gleichzeitig müssen Werte identifiziert und kommuniziert werden, die für alle Mitarbeiter gültig sind und auf deren Grundlage auch neue Beschäftigte ausgewählt werden. Das übernimmt zum Großteil die HR-Abteilung im Unternehmen. Oft wird dafür ein Wertekatalog entwickelt, der an alle Mitarbeiter verteilt wird, um ein einheitliches Verständnis aufzubauen. Zur Entfaltung von Wachstum braucht es agile Strukturen im Unternehmen. Das heißt Mitarbeiter können neue Konzepte einbringen, die Produkte oder Dienstleistungen entsprechen einer spezifischen Zielgruppe. Wenn sich das ändert, kann das Unternehmen entsprechend flexibel und frei reagieren, um sich den Veränderungen anzupassen. Ein bestimmtes ressourcenschonendes Konzept ist vorhanden, um nicht kopflos in neue Projekte zu rennen.

2. Erst im, dann am Unternehmen arbeiten: Die Mitarbeiter besser nicht vergessen

Gerade in starken Wachstumsphasen ist es wichtig, Mitarbeiter der ersten Arbeitsstunde mit Führungsqualitäten auszustatten und nachhaltig in leitende Positionen zu führen. Dort angekommen, können Sie die Geschäftsführer entlasten. Diese werden sich zukünftig mit weitaus strategischeren Themen beschäftigen. In Bezug auf die strategische Weiterentwicklung ist Transparenz gegenüber den Mitarbeitern von höchstem Stellenwert, um rechtzeitig interne Konflikte zu vermeiden.

Stichwort Transparenz: Gerade bei der Vorbereitung und Durchführung von Finanzierungsrunden, wünschen sich Mitarbeiter mehr Transparenz von der Führungsetage. Wer kommt als Investor dazu? Ändert sich was am operativen Geschäft? Ändert sich die Hierarchie im Unternehmen? Ist mein Job sicher?

Neben den Herausforderungen in der Struktur des Unternehmens spielen auch andere Faktoren wie die Finanzierung, das Marketing und der Vertrieb eine entscheidende Rolle.

3. Der Kunde ist immer König

Die Nähe zum Kunden darf nicht unter dem Firmenwachstum leiden. Die digitale Bank N26 hatte gerade in 2019 mit zahlreichen Beschwerden zu kämpfen, die nicht nur die Sicherheit der App, sondern auch die fehlende Erreichbarkeit des Kundenservices betrafen. Das Unternehmen hat es offenbar versäumt, den Kundenservice aufzustocken. Das hat zu langen Wartezeiten und einer hohen Unzufriedenheit geführt.

Unternehmen müssen heute verstärkt in ihre Online-Kanäle investieren, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Kanäle bieten attraktive Chancen, neue Kundensegmente zu erschließen und fördern nachhaltiges Wachstum. Doch mit Wachstum wächst auch die Verantwortung – insbesondere gegenüber existierenden Kunden. Das verstehen zwar viele Wachstumsunternehmen, an der Umsetzung mangelt es leider noch zu oft.

Der Ausbau von Marketing- und Vertriebskanälen darf deshalb nicht blind erfolgen. Unternehmen müssen sich stets die Frage stellen, ob genug Ressourcen bereitstehen, um den daraus entstehenden zusätzlichen CRM-Aufwand zu stemmen. Was nützt dem Unternehmen einer neuer Social-Media-Kanal, wenn dieser nicht ausreichend betreut werden kann? Im Zweifel führt das zu (mehr) Unzufriedenheit und einem negativen Image. Nachhaltiges Wachstum bedeutet deshalb: Wachsen ist gut, doch die Unternehmensstruktur sollte mitwachsen.

4. Die richtige Finanzierung als Fundament für nachhaltiges Wachstum

Die Kapitalbeschaffung ist eine der zentralen Herausforderungen für jedes Unternehmen. Gerade Wachstumsunternehmen brauchen agile und schnelle Finanzierungslösungen, um den Fokus auf die operative und strategische Entwicklung nicht zu vernachlässigen. Nicht wenige Unternehmen sind deshalb gescheitert.

Der Trade-off zwischen Fremdkapital bei der Hausbank und der Abgabe von Firmenanteilen an externe Investoren besteht schon lange nicht mehr. Unternehmen können heute schon auf eine Reihe von alternativen Finanzierungslösungen setzen, die einen deutlich höheren Grad an Flexibilität und Individualität aufweisen. So haben sich Crowdfinanzierungen nicht nur bei großen Bundesliga-Vereinen wie dem Hertha BSC bewährt, sondern auch bei wachstumsstarken Unternehmen – das zeigt unsere Erfolgsstory mit der Beets & Roots GmbH. Das Unternehmen ist danke einer erfolgreichen Finanzierung aktuell dabei den Food-Markt mit ihrem innovativen Konzept deutschlandweit zu revolutionieren.

Eine strukturierte Finanzplanung muss zudem existieren, um der Finanzabteilung eine nachhaltige Planung des Finanzierungs-Mix zu ermöglichen. Die einzelnen Abteilungen in den Unternehmen, die sich nach und nach zu einer dezentralen Organisation entwickeln, müssen dafür sorgen sich gegenseitig auf dem aktuellsten Stand zu halten. Erfährt das Marketing von großen Erfolgen einer Kampagne, die mit hoher Sicherheit außerordentliche Umsätze generieren wird, so muss dieser zusätzliche Aufwand irgendwie finanziert werden.

5. Mangelnde Liquidität als häufiger Wachstumsschmerz: Es gibt Alternativen

Fehlende Liquidität schmerzt nachhaltig: Lukrative Aufträge müssen abgelehnt werden, weil die Mittel für die Vorfinanzierung fehlen. Diese chronische Unterfinanzierung zeigt sich in vielen Branchen, besonders bei Unternehmen mit klassischer Dienstleistung, im Handel, bei Handwerkern oder Projektdienstleistern. Hier werden Waren und Dienstleistungen erst geliefert und dann bezahlt – der Unternehmer finanziert vor.

Zahlungsziele von 90 Tagen sind bei Großkunden gängig, 365 Tage können bei Konzernen auch vorkommen. Dabei sind Skonto, Gewährleistungen, Sicherheitseinbehalte, Zahlungsausfälle noch nicht mal eingerechnet, von der Umsatzsteuer bei GmbHs abgesehen.

Auch alle laufenden Kosten müssen vom Unternehmer vorfinanziert werden. In der Summe kommt man so bei den typischen Margen auf zwei bis sechs Monate an Nettoumsätzen, die fehlen.

Wie können Unternehmen liquide Engpässe vermeiden?

  • Gehen Sie strategisch vor: Planen Sie am besten für die nächsten 12 Monate Ihren kompletten Finanzierungsbedarf. Rechnen Sie konservativ, inklusive sicherem Puffer. Wenn Sie beispielsweise 300.000 Euro mehr Umsatz machen wollen und 6 Wochen vorfinanzieren müssen, kalkulieren Sie 50.000 Euro Finanzierungsbedarf
  • Halten Sie Ihre Buchhaltung jederzeit auf dem aktuellen Stand: Sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater ab, Ihnen zeitnah monatliche betriebswirtschaftliche Zahlen und Jahresabschlüsse zu liefern (und liefern Sie ihm im Vorfeld zügig die Belege). Sorgen Sie dafür, dass die Steuerbescheide vor der Frist fertig sind.
  • Alternative Finanzierungslösungen: Wenn Ihre Hausbank nicht mitzieht, ergänzen Sie diese mit weiteren Finanzierungspartnern. Crowdlending-Plattformen tragen eine immer größer werdende Relevanz bei Betriebsmittel– und Wachstumsfinanzierungen.
  • Leasen anstatt kaufen: Sie können zum Beispiel Immobilien, Maschinen oder IT-Ausstattung leasen. So schonen Sie die Bilanz und sind immer auf dem neuesten Stand der Technik.

Wachstumsfinanzierung für erfolgreiche Unternehmen

Passende Beiträge

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere