Wertpapiere gehören zu den beliebtesten Finanzinstrumenten unserer Zeit. Dabei gibt es sie schon seit über 413 Jahren. Lassen Sie uns einmal gemeinsam auf die Geschichte des Wertpapiers blicken und herausfinden, wie alles begann.

Die erste Dividende: Pfeffersäcke von der Dutch East India Company

Die Entstehung der Aktie – und somit der Aktiengesellschaft – ist auf das 16. Jahrhundert zurückzuführen. Holländische Geschäftsleute finanzierten im Bereich des Überseehandels Schiffsausrüstungen. Ziel war es, Schiffe auf lange Reisen über die gesamte Welt zu schicken und im Idealfall mit teuren Rohstoffen wie Pfeffer aus Indonesien zurückkommen zu lassen. Das Problem war, dass diese Expeditionen teuer und hochriskant waren. Im Normalfall kam nur eines von zehn Schiffen wieder zurück.

Das ist den Kaufleuten schnell aufgefallen und sie entschieden sich dazu, die Risiken zu verteilen, indem sie gemeinsam über eine Aktiengesellschaft investierten und die Risiken so auf mehrere Teilnehmer verteilten. Damals bekamen Aktionäre der „Dutch East India Company“ ihre Dividende noch in Gestalt von Pfeffersäcken ausbezahlt. Ähnlich erging es auch den Aktionären der „Hudson Bay Company“. Diese erhielten Nerzfelle und wurden vom Präsidenten der Gesellschaft in der ersten Aktionärsversammlung als „meine Herren Abenteuer“ angesprochen, was zum einen den Pioniergeist aber auch das Risiko deutlich macht, das damals mit jenen Investitionen verbunden war.

Die Dutch East India Company läutet die Entwicklung von Aktiengesellschaften ein

Die Dutch East India Company brachte den Stein ins Rollen. Nach ihrem Vorbild entstanden in einem wahren Gründungsboom viele weitere Gesellschaften weltweit. Sie alle entstanden aus dem Wunsch, Risiken auf eine große Anzahl von Kapitaleignern zu verteilen. Schiffseigner zu Zeiten der Dutch East India Company brachten ihre Schiffe in die Gesellschaft ein und erhielten dafür einen bestimmten Anteil an der Gesellschaft. Am Gesamtergebnis der Gesellschaft wurden sie anteilsmäßig beteiligt und erhielten auch dann noch eine Gewinnausschüttung, wenn ihr eigenes Schiff verloren ging.

Handelsschiff, Altertümlich, Mittelalterlich

Ein paar Jahrhunderte später – zu Beginn des 19. Jahrhunderts ­– hatten die Aktie und die Aktiengesellschaft schon eine sehr große Ähnlichkeit mit denjenigen Wertpapieren, die wir heute kennen. Technische Neuerungen und die Entstehung bahnbrechender Erfindungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befeuerten die Industrialisierung und Bildung weiterer Kapitalgesellschaften noch weiter. Solche Erfindungen waren nämlich mit einem hohen Kapitalaufwand verbunden. Um die dafür notwendigen finanziellen Mittel einzusammeln, begannen Unternehmen verstärkt, Anleihen oder Aktien in breitem Umfang auszugeben. Daraus sind dann die ersten Monopole und multinationalen Gesellschaften entstanden.

Ein paar Beispiele für solch epochale Erfindungen sind zum Beispiel die Eisenbahn, das Dampfschiff, der Telegraph, das Telefon, das Dynamit, der Dynamo, das Auto sowie der Bau von Kanälen. Die stärkste Triebkraft dieser Zeit war jedoch der globale Bau von Eisenbahnlinien.

Diese Epoche erhielt zurecht den Namen „Gründerzeit“.

1682: Die erste deutsche Aktiengesellschaft wird ins Leben gerufen

Die erste deutsche Aktiengesellschaft wurde von Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, am 17. März 1682 ins Leben gerufen. Es handelte sich hierbei um die “Handels-Compagnie auf den Küsten von Guinea”. Es folgte die Gründung weiterer Gesellschaften, die insbesondere in Afrika mit Elefantenzähnen, Gold und Sklaven handelten.

Aber nicht nur in Deutschland, auch im Ausland wurden Anleihen in Europa aufgelegt und Aktien an den Börsen eingeführt. Überwiegend auf Basis von deutschen und französischen Finanzmitteln konnte die Transsibirische Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok und Harbin finanziert werden.

Eisenbahn, Berninabahn, Lagalb, Bernina, Winter, Zug

Als Rechtsform konnte sich die Aktiengesellschaft erst nach der Schaffung einer gesetzlichen Basis im Jahr 1870 endgültig durchsetzen. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erlebte das Aktienwesen in Deutschland eine wahre Blütezeit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es mehr als 4.500 Aktiengesellschaften. Bis 1909 stiegt die Anzahl auf 5.222 mit einem Grundkapital von circa 14,7 Milliarden Mark. Aufgrund der drohenden Kriegsgefahr wurden die deutschen Börsen geschlossen – der Handel fand außerhalb statt. Erst im Dezember 1917 durften Wertpapiere wieder offiziell an der Börse gehandelt werden.



Aktienboom und das Ende im Jahr 1929

Die Zeit nach dem Krieg war auf den Finanzmärkten einerseits von Unsicherheiten aber auch von einer neuen Euphorie geprägt. In den 20er Jahren hatte sich die USA als Zentrum des wirtschaftlichen Fortschritts etabliert. Effizientere Produktionsabläufe führten zu einem nie dagewesenen Wirtschaftsboom.

Spekulationen konnten so schnell in die Höhe getrieben werden, weil nur zwischen 10 und 20 Prozent des Anlagevolumens bei Börsenmaklern angezahlt werden musste. Der Rest wurde vom zu erwarteten Gewinn beglichen oder im Zweifel durch Kredite finanziert.

Börse, Handelssaal, New York, Manhattan, Geschäft

Am Vormittag des 24. Oktober 1929 begannen die Kurse zu bröckeln. Mit einem Mal brach der Sturm los. Einst unerschütterliche Optimisten verfielen ohne erkennbaren Grund in Panik und wollten für ihre Aktien so schnell wie möglich Bargeld. Die Kurse fielen in atemberaubendem Tempo. Etwa 13 Millionen Aktien wurden an diesem Tag gehandelt. Die renommiertesten Kredithäuser des Landes beschlossen, Aktien gemeinsam zu kaufen, um den Sturz des Dow-Jones-Index abzuwenden. Doch das Kursgewitter, das sich am Morgen des Schwarzen Donnerstags entlud, leitete das Ende der Goldenen Zwanziger ein.

Nach vielen Jahrzehnten mit neuen Höhen und Tiefen (Asienkrise, Dotcom & Finanzkrise 2007/08) an den Börsen hat sich die Aktie als Finanzinstrument fest etabliert und genießt auch bei Anlegern wieder eine hohe Beliebtheit als Vehikel zur Vermögensanlage.

Digitale Wertpapiere: Willkommen im Jahr 2019

Kaum zu glauben, dass Wertpapiere schon so früh als Finanzinstrumente eingesetzt wurden. Ohne sie hätte sich der technologische Fortschritt niemals “in dieser Geschwindigkeit” entwickelt. Nicht nur die Industrien, auch Wertpapiere an sich unterliegen einem Wandel. Mit der Blockchain Technologie sind Digitale Wertpapiere entstanden.

Der Handel sowie die Emission von Wertpapieren ist heute, aufgrund der Einbindung zahlreicher Intermediäre, nicht besonders effizient. Zu diesen Intermediären gehören Börsen, Zentralverwahrer, Clearingstellen, Global Custodians, Broker-Dealer und Agent-Banken. Bei so vielen Marktteilnehmern ist die Effizienz des globalen Datenaustauschs sehr schnell beschränkt. In der Nutzung von digitalen Wertpapieren sehen Experten eine Möglichkeit, den Wertpapierhandel zu beschleunigen und damit insgesamt effizienter und kostengünstiger zu gestalten.

Gerade für KMU sind klassische Börsengänge (IPO) ein kostenintensives Unterfangen, weshalb es sich heute für viele einfach nicht lohnt. Mit digitalen Wertpapieren kann erstmal „theoretisch“ jedes Unternehmen Anteile ausgeben, die anschließend auf Handelsplätzen gehandelt werden können. Und das nur zu einem Bruchteil der Kosten einer klassischen Emission. Heute können Unternehmen bereits Schuldverschreibungen und Genussrechte prospektfrei bis zu einem Finanzierungsvolumen von acht Millionen Euro als digitales Wertpapier ausgeben. Wann die Aktie in digitaler Form live gehen kann, bleibt abzuwarten – praktisch realisierbar ist die Einführung ab dem Jahr 2020.

 

Lernen Sie weitere Möglichkeiten kennen, wie auch Kleinanleger mit digitalen Wertpapieren anlegen können wie die „Superreichen“.


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