Finanzbildung bei Jugendlichen

Finanzbildung bei Jugendlichen

Der Bundesverband deutscher Banken hat sich in einer Studie dem Wirtschaftsverständnis, der Finanzkultur und der Digitalisierung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gewidmet. Ergebnis: es gibt große Wissenslücken, aber auch großes Interesse am Vermögensaufbau oder an Kryptoanlagen.

Wirtschaftswissen wird in Schulen schlecht vermittelt

Ein eher schlechtes Zeugnis wird der Wissensvermittlung in Sachen Wirtschaft durch die Schule ausgestellt. Deutlich mehr als zwei Drittel (71 %) der befragten Jugendlichen gaben an, dass sie in der Schule nicht so viel bis gar nichts über Finanzen und Wirtschaft gelernt haben. Hier wird erneut deutlich, dass von Schulen viel erwartet wird, diese die Erwartungen aber häufig nicht erfüllen können. Die immer wieder aufkommenden Forderungen nach einem Pflichtfach Informatik bzw. Programmieren für alle, oder dem Wunsch nach einem Fach „alltägliche Lebenspraxis“ (Wie eröffne ich ein Konto, wie schließe ich eine Versicherung oder einen Telefonvertrag ab) werden die Situation sicher nicht verbessern.

Die Bedeutung von Wirtschaftsinformationen wird jedoch von 70 % der Befragten als wichtig und sehr wichtig eingestuft. Und rund 60 % der befragten jungen Leute erwarten diese Informationen eben auch von ihren Lehrern, aber fast ebenso viele von den Medien. Weniger von den Banken (29 %) und noch weniger von den eigenen Eltern (22 %). Augenscheinlich wird Lehrern und Medien die größere Unabhängigkeit zugestanden, das Wissen der eigenen Eltern wird eventuell als wenig ausgeprägt eingeschätzt.

Kenntnisse über Wirtschaft in großen Teilen mangelhaft

Inzwischen schätzen junge Leute ihre Wirtschaftskenntnisse auch deutlich besser ein als in den vorangegangenen Befragungen. Weiterhin hat ein Drittel aber nur sehr geringe Kenntnisse. Bei den speziellen Wirtschaftswissensfragen wie „Was bedeutet das Prinzip Angebot und Nachfrage?“, „Was bedeutet Inflationsrate?“, „Welche Rolle spielt die EZB?“ oder „Was ist eine Aktie?“ und „Was bedeutet Rendite?“ fielen die Antworten sehr unterschiedlich aus. So wussten gut 8 von 10 befragten Jugendlichen, was eine Aktie ist, doch bereits weniger als jeder Zweite konnte die „Rendite“ genauer erklären.

Etwas besser sah es dann aus bei der Einschätzung des Zusammenhangs von Risiko und Gewinnaussicht und dem Prinzip der Risikostreuung. Doch auch hier scheint mehr Aufklärung notwendig, wenn 47 % der Befragten nicht wussten, dass das Risiko geringer ist, wenn das eigene Geld auf eine Vielzahl von Aktien verteilt wird. Nur etwa ein Drittel konnte denn auch das Grundprinzip eines Investmentfonds erklären, der diese Streuung praktisch schon durch seine Anlagestruktur vornimmt.

Letztendlich räumen zwei Drittel der jungen Leute ein, dass sie vom Geschehen an der Börse praktisch keine Ahnung haben.

Angebot von Banken wirkt sich auf Kundenzufriedenheit aus

Die Zufriedenheit mit der eigenen Bank hat ein wenig gelitten, die meisten Jugendlichen zeigen sich aber dennoch zufrieden. Allerdings ging der Anteil derjenigen, die mit ihrer Bank „sehr zufrieden“ sind, zurück, und die Zahl derjenigen, die mit ihrer Bank „unzufrieden“ und sogar „sehr unzufrieden“ stieg um insgesamt 5 Prozentpunkte an.

Setzt man die Erwartungen der Jugendlichen an ihre Bank damit in Zusammenhang, könnten die Gründe für die Zustimmungsveränderungen erkennbar werden. So erwarten Jugendliche „eine sichere Geld- und Sparanlage“ (weitgehend erfüllt), ein „günstiges Girokonto“ (wird zunehmend teurer und ist nur noch selten kostenlos), „sicheres Online-Banking“ (in der Regel erfüllt), ein „Berater, den ich kenne und vertraue“ und „eine Filiale in der Nähe“ (beides wird immer seltener) und „hohe Zinsen“ (gibt es praktisch nicht mehr).

Jugendliche holen sich Wirtschaftswissen aus dem Netz

Letztlich wissen zahlreiche junge Leute heute mehr als noch vor einigen Jahren über Wirtschaft, doch bleibt noch immer ein großer Teil von ihnen relativ unwissend zurück. Von der Schule wünschen sie sich mehr Bildungsangebote hierzu, womit sie Fachleuten aus der Seele sprechen, die schon lange ein verpflichtendes Schulfach „Wirtschaft“ wünschen. Allerdings sind viele Schulen und Lehrpläne bereits heute überfrachtet. Und wie so häufig werden Defizite bei der Wissensvermittlung zu gern bei den Schulen verortet, während viele Eltern auch selbst Abhilfe schaffen könnten.

Nicht umsonst suchen sich viele Jugendliche ihre Finanzinformationen heute selbst zusammen, schließlich ist der Zugang zu Informationsquellen heute so leicht wie nie zuvor.

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