Diversifikation – die optimale Risikostreuung

„Nicht alle Eier in einen Korb legen“, so lautet die sprichwörtliche Grundregel bei der Geldanlage. Wer volles Risiko geht und alles auf eine Karte setzt, der kann im Extremfall alles verlieren. Diversifikation sollte deshalb die Devise lauten – die Streuung des Risikos über verschiedene Anlageklassen (sog. Assets), Investment-Stile und Regionen hinweg.

Panik ist keine Anlagestrategie

Die Herausforderung bei der Geldanlage besteht darin, über längere Zeiträume eine ausreichende Diversifikation zu betreiben und auch hin und wieder auftretende Schwächephasen auszuhalten. Häufig begehen Privatanleger den Fehler, vorschnell aus bestimmten Anlagen zu fliehen, wenn es einmal nicht so rund läuft. Die Börse ist dafür das beste Beispiel. Sinken dort etwa aufgrund einer schwächelnden Konjunktur die Aktienkurse, ziehen viele Investoren panisch ihr Geld ab, um zu retten, was zu retten ist. Erholt sich die Konjunktur und die Kurse steigen wieder an, sind diese Investoren meist mit Verlusten ausgestiegen, nehmen an der Aufschwungphase aber nicht mehr teil.

Genährt wird diese Panik nicht selten durch Medienberichte und selbsternannte „Börsen-Gurus“, die bereits lange zuvor wussten, dass „der Börsencrash“ kommt. Das ist keine große Kunst, schließlich funktioniert die Wirtschaft schon seit Jahrtausenden nach dem Prinzip von Aufschwung- und Abschwungphasen. Diese fallen auch mal härter aus. Dann ist der Moment gekommen, an dem sich der „Börsen-Guru“ bestätigt sieht. Passend dazu bietet er (kostenpflichtige) Rezepte an, „wie Sie als Anleger Ihr Geld retten“ können.

Flucht in „sichere Anlagen“ kann ein böses Erwachen nach sich ziehen

Diese Flucht führt oft zu einer Fehlallokation der finanziellen Mittel. Die Privatanleger verteilen (lat.: allocare – platzieren, zuteilen) ihr Geld nur noch auf wenige oder sogar eine Asset-Klasse und gehen damit ein deutlich höheres Risiko ein. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa die „Flucht“ in Edelmetalle wie Gold oder Immobilien („Betongold“).

Das Problem liegt auch hier in der Dosis: Einen Teil des Anlagekapitals in Gold oder Immobilien zur Absicherung zu investieren ist sogar empfehlenswert. Doch die Sorge vor oder nach einem „Börsencrash“ verleitet viele Investoren dazu, alles Geld in das rettende „Wertaufbewahrungsmittel der letzten Instanz“ – dem Gold – umzuparken. Geschehen ist das auch infolge der Wirtschaftskrise nach 2008 und dem „kurz bevorstehenden Ende des Euro als europäischer Gemeinschaftswährung“ um das Jahr 2012. Der Goldpreis schoß in eine Höhe von fast 2.000 Dollar je Feinunze, stürzte jedoch später wieder fast bis auf 1.000 Euro je Unze ab.

Ob dem sehr teuren Immobilienmarkt ein ähnlicher Absturz bevorsteht, ist noch offen. Doch sollte man sich vor einem Häuserkauf noch einmal daran erinnern, dass die Krisen in den USA oder Spanien in allererster Linie durch Übertreibungen am Immobilienmarkt ausgelöst wurden.

Teilen Sie Ihr Vermögen gleichmäßig auf

Ratgeber für die optimale Streuung des Vermögens gibt es viele. Doch welche Diversifikation ist die richtige? Eine häufig zitierte Faustformel rät etwa zur gleichmäßigen Vier-Teilung des Vermögens: ¼ Aktien – ¼ Anleihen – ¼ Gold – ¼ Cash. Vor allem ein ausreichender Bargeld-Bestand sollte immer vorrätig sein, um plötzlich auftretende Kosten bewältigen zu können, eine Autoreparatur etwa oder den Kauf einer neuen Waschmaschine. Ausreichend Liquidität kann einfach auf dem Girokonto oder in Form von Tagesgeld gehalten werden.

Wer jedoch lieber weniger in schwankende Aktienmärkte investieren möchte oder unter den mageren Renditen der gering verzinsten Anleihen leidet, sollte über weitere Alternativen als Beimischung nachdenken. Es gibt andere Möglichkeiten, um in Unternehmen, in Immobilien oder in Forderungen privater Kreditnehmer zu investieren und dabei gleichzeitig Zinsen zu kassieren.

Auf Aktien und Anleihen soll dabei gar nicht verzichtet und sie sollen auch nicht durch hochriskante Anlagen ersetzt werden. Angesichts der herausfordernden Situation bei diesen beiden Asset-Klassen soll eher aus der Vier-Teilung eine Mehr-Teilung des eigenen Anlageverhaltens gemacht werden. So gibt es z.B. sehr interessante Portfolio-Strukturierungen, die mal als Schmetterlings-Portfolio (aufgrund des Aussehens im Kreisdiagramm) und mal als Portfolio für Feiglinge bezeichnet werden (weil sie sehr kleinteilig diversifizieren).

Wie sieht die optimale Diversifikation aus?

Auch bei der Geldanlage in Crowdfinanzierungs-Projekte sollte nach der Devise verfahren werden, nicht volles Risiko zu gehen und nicht alles verfügbare Kapital in ein einzelnes Projekt zu investieren. Doch wie sollte sie aussehen, die optimale Risikostreuung beim Crowdlending und Crowdinvesting?

Die vielleicht bestmögliche Diversifikation verfährt nach dem Prinzip der totalen Risikoreduzierung. Danach wird in jedes Anlageprojekt die Minimalsumme investiert, um bei möglichen Zahlungsstörungen auch nur den kleinstmöglichen Verlust verzeichnen zu müssen.

Andere Strategien bringen so gut wie immer eine verzerrende Komponente mit ins Spiel. Wird ein Projekt bzw. ein Unternehmen vom Anleger als besonders „sicheres Investment“ vermutet, ist das eine emotionale Komponente, die bei der Geldanlage nichts zu suchen haben sollte.

Auch die Strategie, in niedriger verzinste (und als „sicherer“ vermutete) Projekte deutlich mehr Geld und in höher verzinste (und damit risikoreichere) Projekte geringe Geldbeträge zu investieren, schließt nicht aus, dass viele als „sicher“ vermutete Projekte ausfallen können und von den „riskanten“ Projekten kein einziges.

Nüchtern die eigene Geldanlage strukturieren

Es gibt auch Anlagestrategien, die sehr „schmerzhaft“ für den Anleger sein können, die sich aber auch im Falle eines Falles als Segen erweisen können. So verfolgen einige Investmentfonds äußerst nüchterne und sture Investitionsstrategien und setzen z.B. einmal im Jahr ihre Portfoliozusammensetzung auf den Ursprungszustand zurück. Und dabei spielt es keine Rolle, wie gut oder schlecht eine Anlageklasse aktuell abschneidet.

Das sieht dann so aus, dass immer (wirklich immer !) am 1. Januar eines Jahres dieser Fonds zu 50 Prozent in Aktien und 50 Prozent in Anleihen investiert. Im Laufe des Jahres wird jeden Monat die Zusammensetzung des Fonds in Richtung der besser laufenden Anlageklasse angepasst. Läuft es bei Aktien gut, werden mehr Aktien gekauft und Anleihen abgestoßen und umgekehrt. Das kann soweit gehen, dass am 31. Dezember der Fonds zu 100 Prozent in Aktien und zu 0 Prozent in Anleihen investiert ist. Trotzdem wird einen Tag später, am 1. Januar, das Portfolio wieder zu jeweils 50 Prozent in Aktien und Anleihen aufgeteilt, ganz egal, wie katastrophal schlecht der Anleihemarkt läuft.

Das kann schmerzhaft sein, weil ein 50-prozentiges hervorragend laufendes Aktienpaket abgestoßen und gegen ein möglicherweise kaum Rendite abwerfendes Anleihepaket ausgetauscht wird. Diese Sturheit bewahrt den Fonds bzw. den Fondsmanager allerdings auch davor, den Aktienmarkt bzw. die eigenen Fondsmanagementqualitäten zu überschätzen und die eigene Anlagestrategie zugunsten aktueller Entwicklungen zu opfern.

Diversifzierung ist Trumpf

Darum geht es bei der optimalen Risikostreuung. Die emotionale Herangehensweise lässt sich beim hochemotionalen Thema Geldanlage nicht einfach abschütteln. Doch es gibt Vorgehensweisen, wie die eigene Anlagestrategie möglichst nüchtern und stur betrieben werden kann.

  • Nicht alles, was gerade nicht gut läuft, sollte immerfort über den Haufen geworfen werden.
  • selbsternannte „Börsen-Gurus“ haben nicht das für alle Krisen passende Konzept, sie haben in erster Linie ein Konzept, wie sie etwas teuer verkaufen können
  • nicht zuviel Kapital sollte in eine einzelne Anlage fließen, egal, wie gut und vielversprechend sie klingt

Zuletzt noch 3 Tipps, die nicht oft genug genannt werden können:

  1. Diversifizieren Sie
  2. Diversifizieren Sie
  3. Diversifizieren Sie

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