Crowdfunding als neuer Weg zur Finanzierung von Projekten und Unternehmen

Crowdfunding als neuer Weg zur Finanzierung von Projekten und Unternehmen

Crowdfunding ist in aller Munde. Zu Anfang euphorisch, mittlerweile vermehrt kritisch wird über das Thema in den Medien berichtet. Doch welche Erwartungen dürfen Anleger in Bezug auf Rendite und Risiko haben?

Crowdfunding bezeichnet die Finanzierung von Projekten oder Unternehmen über das Internet. Die Besonderheit ist, dass beim Crowdfunding viele verschiedene Menschen ein Projekt finanziell unterstützen. Dadurch haben die Investoren die Möglichkeit, schon mit kleinen Geldbeträgen an einem Projekt zu partizipieren.

Beim klassischen Crowdfunding erhalten die Finanzierer eine nichtfinanzielle Gegenleistung, zum Beispiel ein kostenloses Exemplar des neuen Produkts oder ein anderes Dankeschön. Es handelt sich dabei um eine Art Vorverkauf, bei dem es in der Regel nicht um finanziellen Gewinn geht. Meist handelt es sich dabei um Projekte aus dem kulturellen Bereich. In den letzten Jahren hat sich jedoch mehr und mehr eine Unterform bzw. Abwandlung des Crowdfundings durchgesetzt. Die Rede ist von Crowdinvesting.

Beim Crowdinvesting erhalten die Investoren eine finanzielle Gegenleistung bzw. werden am Projekterfolg beteiligt. Es handelt sich also um richtige Investments. In Deutschland werden diese Mini-Investments oft über Nachrangdarlehen abgewickelt, die eigenkapitalähnliche Eigenschaften haben. Meist werden Start-ups, Immobilienprojekte oder mittelständische Unternehmen über die Crowdinvesting-Plattformen finanziert.

Crowdinvesting als Finanzierungsform immer beliebter

Immer mehr Privatanleger versuchen sich an einer Geldanlage als Crowdinvestor. Allein zwischen Januar 2016 und Januar 2017 ist das Volumen an vermitteltem Crowdinvesting-Kapital in Deutschland um 261 Prozent auf 60,4 Euro Millionen gestiegen. Vor allem das Crowdinvesting in Start-ups übt eine gewisse Sogwirkung auf die Menschen aus. Grund sind die vielen bekannten Beispiele von Tech-Millionären und Milliardären, die es in den letzten Jahren an die Spitze geschafft haben.

Zwischen 2016 und 2017 stieg das Crowdinvesting-Volumen um 261 % Klicken Sie um zu Tweeten

Das Crowdinvesting bietet einen scheinbar einfachen Weg, an diesem Tech-Boom zu partizipieren und ebenfalls reich zu werden. Allerdings gibt es auch schon einige Pleiten. Viele Crowdinvesting-Projekte sind gescheitert bzw. die Unternehmen mussten Insolvenz anmelden. Bekannte Beispiele sind die Pleite des Server-Start-ups Protonet oder das Scheitern des Verkaufsportals Returbo, bei denen Anleger Ihr gesamtes Geld verloren.

Das wirft die Frage auf, ob Kleinanleger das Risiko richtig einschätzen können und was diese überhaupt erwarten dürfen. Oder sollten Privatanleger lieber die Finger von Crowdinvesting lassen?

Crowdinvesting in Start-ups – Venture Capital bzw. Wagniskapital

Unterscheiden muss man beim Crowdinvesting die Art der Anlegervergütung sowie den Typus des Unternehmens. Erhalten die Anleger eine festgelegte Gegenleistung wie zum Beispiel Zinsen? Oder eine Beteiligung, die sich nach dem konkreten Unternehmenserfolg richtet? Handelt es sich um ein Start-up mit einer gewagten Idee, oder einen etablierten Mittelständler?

Beim Crowdinvesting handelt es sich oft um Private Equity Investments. Private Equity steht für Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse gehandelt werden. Also um Investitionen in „private“ Unternehmen und Projekte. Das Risiko im Private Equity Bereich wird allgemein als ziemlich hoch bewertet. Deshalb spricht man auch von Wagniskapital oder „Venture Capital“.

Früher waren Private Equity Investitionen nur in ausgewählten Kreisen und für Profis verfügbar, die wussten, was Sie tun. Die meisten Menschen konnten sich bis dato wenig unter dem Begriff „Private Equity“ vorstellen – vielleicht auch gar nichts. Das Crowdinvesting hat diese Art des Investierens der Allgemeinheit zugänglich gemacht. Es ermöglicht die Investition von Wagniskapital bequem über das Internet.

Die Werbebotschaften einiger Crowdinvesting-Plattformen im Start-up-Sektor vermitteln den Eindruck eines risikoarmen Investments. Die Projekte klingen spannend und oft fühlt man sich gleich von der Idee mitgerissen. Das schafft eine Erwartungshaltung an Chancen und Risiko, die nicht realistisch sind. Tatsache ist: Zirka 90 Prozent aller Start-ups scheitern. Das ein einzelnes Projekt ausfällt, ist beim Crowdinvesting in Start-ups also mehr als wahrscheinlich.

Investieren Sie also in 10 verschiedene Start-ups, müssen Sie damit rechnen, dass zirka 9 davon pleitegehen werden. Profi-Investoren wissen das schon seit Jahrzehnten und investieren deshalb nie ihr gesamtes Kapital in ein einzelnes Start-up. Eine Schlussfolgerung der hohen Ausfallraten ist auch, dass die 10 Prozent, die nicht scheitern, die Verluste der anderen 90 Prozent ausgleichen müssen. Will ein Private Equity Investor einen Gewinn machen, muss also eines der Start-up-Investments so viel Geld erbringen, dass es die Verluste wieder ausgleicht und am Ende noch ein Plus bleibt.

“Investiere nur in Unternehmen, die das Potenzial haben, den Wert deines gesamten Investmentfonds wieder hereinzuholen.“, sagte deshalb auch schon Peter Thiel, einer der bekanntesten Wagniskapitalinvestoren.

Viele, die neu auf das Thema Crowdinvesting in Start-ups stoßen, wissen das nicht und verlieren so sehr schnell ihr Geld. Oft fehlt auch einfach die Marktkenntnis und die realistische Einschätzung der Chancen, die ein Start-up hat. Ein Profi-Investor, der seit Jahrzehnten in Private Equity investiert, hat hier eine ganz andere Perspektive auf die Dinge als ein Kleinanleger. Würde jeder mit Crowdinvesting ganz einfach und schnell reich werden, würde es wohl auch fast jeder machen. „Derartiges Frühphasenkapital ist immer hochriskant“, sagt Christoph Schalast, Professor für Beteiligungsrecht an der Frankfurt School of Finance.

Doch wer garantiert einem, dass es überhaupt ein Crowdinvesting-Start-up schafft, sich am Markt zu etablieren? Vielleicht werden die wirklich guten Deals ja immer noch in den Hinterzimmern dieser Welt abgeschlossen und auf den Plattformen landet nur Ramsch? Können aktuell überhaupt positive Renditen mit deutschen Crowdinvesting-Start-ups erzielt werden?

Erfolg und Misserfolg liegen nah beieinander – Venture Capital

Crowdinvesting in Venture-Capital-Form kann durchaus eine sehr rentable Angelegenheit sein. Nehmen wir als Beispiel die Finanzierung des Start-Ups „erdbär GmbH“. Die erdbär GmbH stellt unter der Marke „Freche Freunde“ gesunde Bio-Snacks aus Obst für Kinder her. Im Jahr 2013 wurde das Start-up über eine bekannte deutsche Crowdfunding-Plattform finanziert. Insgesamt wurden 250.000 Euro eingesammelt, die für ein ausgesprochen erfolgreiches Unternehmenswachstum genutzt wurden. Im Juni 2016 konnten sich die Investoren nämlich über ein Rückkaufangebot der Anteile mit 300 Prozent Rendite freuen. Das entspricht 100 Prozent Rendite pro Jahr für die Anleger der ersten Stunde.

Doch woher sollen Sie wissen, welche Projekte so extrem erfolgreich werden und welche scheitern? Selbst Profis können nicht in die Zukunft schauen und immer wissen, welches Start-up funktioniert und welches nicht. Was, wenn Sie jetzt nicht in die erdbär GmbH investiert hätten, sondern in Protonet, die private Home-Server für jedermann produzieren wollten? Dann hätten Sie jetzt anstatt 300 Prozent Rendite alles Geld verloren.

Deshalb investieren Profi-Investoren immer in verschiedene Start-ups, um ihr Risiko zu streuen. Und genau deshalb muss auch das eine Start-up, dass es schafft, alle anderen Pleite-Investitionen ausgleichen. Stellen wir uns einmal vor, Sie hätten insgesamt 1.000 Euro in 10 verschiedene Start-ups investiert:

Startup (Name) Investition Rendite Gewinn/Verlust (in €)
A 100 € Ausfall -100 €
B 100 € Ausfall -100 €
C 100 € Ausfall -100 €
D 100 € Ausfall -100 €
E 100 € Ausfall -100 €
F 100 € Ausfall -100 €
G 100 € Ausfall -100 €
H 100 € Ausfall -100 €
I 100 € Ausfall -100 €
J 100 € 300 % 300 €
Gesamt 1.000 € -600 €

Sie sehen also, dass Ihre 300 Prozent Rendite ganz schnell von den Verlusten aufgefressen werden und Sie am Ende 600 Euro Verlust gemacht hätten. 300 Prozent Rendite sind also im Private Equity Bereich bei weitem nicht so viel, wie gedacht.

Irrwitzige Renditen erwecken den Eindruck des schnellen Geldes

Ein Beispiel dafür, welche Renditen man wirklich braucht, um erfolgreich in Start-ups zu investieren, hat der Star-Investor Peter Thiel gegeben. Im Sommer 2004 investierte Peter Thiel 500.000 Euro in ein kaum bekanntes Start-up namens Facebook. Sieben Jahre später (2011) waren seine Anteile knapp 2 Milliarden US-Dollar wert. Das entspricht einer Rendite von 400.000 Prozent und macht bewusst, in welchen Dimensionen im Private Equity Bereich investiert wird.

Eine Rendite von 300 Prozent klingt zwar verlockend, ist aber zu meist zu wenig, um die Ausfälle auszugleichen. Wer erfolgreich in Private Equity investieren will, muss also an die richtig guten Deals gelangen. Doch ist das für den Kleinanleger überhaupt möglich? Sollte Sie das Crowdinvesting einfach sein lassen?

Nicht unbedingt, denn es gibt Wege, wie Sie Ihr Risiko beim Crowdinvesting so minimieren können, dass es sich wieder lohnt. Einer davon ist, Abstand von Start-ups zu nehmen und stattdessen in etablierte Mittelständler und Immobilienprojektierer zu investieren.

Crowdinvesting in den Mittelstand als Alternative zur Start-up-Variante

Die Erfolgschancen von Start-ups lassen sich, wie oben beschrieben, sehr schwer einschätzen. Deshalb sind eine starke Streuung mit hohem Kapitaleinsatz, eine gute Marktkenntnis und Risikotoleranz notwendig.

Bei Mittelständlern hingegen sieht es schon etwas anders aus. Hier handelt es sich um etablierte Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell und echten Umsätzen und Gewinnen. Hier wird nicht bloß in eine Idee oder Vision investiert, sondern in ein bereits laufendes Unternehmen. Es werden auch keine Anteile vergeben, sondern Kredite und Darlehen (Crowdlending / Venture Loan).

Das heißt: Sie als Anleger erhalten regelmäßige Zinszahlungen und Tilgungen. Häufig werden endfällige Darlehen vergeben, bei denen zum Beispiel vierteljährlich Zinsen gezahlt werden und erst am Ende der Laufzeit die Tilgung. Allerdings sind auch klassische Annuitätendarlehen möglich, bei denen in monatlichen oder vierteljährlichen Raten sowohl Zins- als auch Tilgungsanteile ausgezahlt werden.

Für den Privatanleger bietet sich damit die Gelegenheit, in den soliden Mittelstand zu investieren und dabei, im Vergleich zu anderen Anlageformen, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. Bei einem mittelständischen Unternehmen stehen bereits wesentlich mehr Informationen für den Anleger zu Verfügung, so dass sich dieser ein recht klares Bild der wirtschaftlichen Chancen und Risiken des Unternehmens machen kann. Anders als bei Start-ups muss hier auch nicht nach Bauchgefühl entschieden werden, sondern es kann sich an den Zahlen orientiert werden. Das macht das Risiko für den Kleinanleger transparenter und lässt sich damit auch besser einschätzen.

Kleinanleger sollten sich also auf Crowdinvesting in den Mittelstand bzw. etablierte Unternehmen beschränken, um Ihr persönliches Risiko zu minimieren. Die übliche Vergütung erfolgt beim Crowdinvesting in den Mittelstand häufig über einen jährlichen Festzins sowie ggf. einen Erfolgszins. Zum Beispiel eine feste Verzinsung von 8 Prozent im Jahr plus einem Erfolgszins in Höhe von 25 Prozent. Schauen wir uns mal in einem Beispiel an, wie die Vergütung und Rückzahlung beim Crowdlending funktioniert.

Renditebeispiel Crowd-investing in den Mittelstand Rendite und Rückzahlung
Zinssatz 10 % p.a. Halbjahr Zinsen in Euro
Amortisierungsart Endfällig, halbjährliche Zinszahlung 1. 50 €
Laufzeit 3 Jahre 2. 50 €
Kreditbetrag 1.000 € 3. 50 €
4. 50 €
5. 50 €
6. 50 € Zinsen + 1000 € Tilgung
Gesamt 300 € Zinsen + 1000 € Tilgung

 

Risiken stets im Blick behalten

Grundsätzlich sollten Sie beim Crowdinvesting immer mit einem Totalverlust rechnen und dementsprechend vorsichtig investieren. Sollte es nämlich zu einer Insolvenz kommen, haben Sie als Crowdinvestor nur nachrangige Rechte im Vergleich zu den anderen Gläubigern. Crowdinvesting wird nämlich in der Regel über Nachrangdarlehen abgewickelt. Im Falle einer Insolvenz werden diese Darlehen, ganz dem Namen entsprechend, nachrangig behandelt, also als letztes zurückgezahlt.

Die Chance, dass Sie hier bei einer Insolvenz Ihr Geld zurück erhalten, ist also deutlich geringer als bei klassischen, gleichrangigen Krediten. Erst werden Banken und andere Gläubiger ausgezahlt und ganz am Ende die Crowd.

Crowdinvesting als Venture Capital vs. Crowdinvesting für den Mittelstand

Zum besseren Verständnis haben wir für Sie die wichtigsten Eigenschaften von Crowdinvesting in Start-ups und Crowdinvesting in den Mittelstand gegenübergestellt. Beide Investmentmodelle bieten gewisse Vor- und Nachteile. Schauen Sie sich dazu am besten die Tabelle an.

Typen des Crowdinvesting und ihre Eigenschaften
Name Start-up Anteile (Equity based) Crowdinvesting / Venture Loan
Unternehmen – meist Start-ups in der Frühphase (Seed) – Unternehmen mit mehrjähriger Markterfahrung und stabilen Umsätzen
Art der Rückzahlung Rückkaufangebot (Exit) Halb-/vierteljährliche Verzinsung + endfällige Tilgung (endfälliges Darlehen)

 

oder

 

Klassisches Annuitätendarlehen mit monatlichen Zins- und Tilgungszahlungen

Wartezeit bis zur Rückzahlung bis zu mehrere Jahre Regelmäßige Rückflüsse mehrmals im Jahr
Strategie In mehrere Start-ups investieren und hoffen, dass ein oder zwei davon durchstarten und es irgendwann zu einem Exit kommt. Diese Exits müssen die Ausfälle kompensieren. In mehrere ausgewählte Unternehmen investieren und regelmäßige Rückzahlungen erhalten. Ausfälle auch hier möglich, insgesamt aber seltener.
Vorteile –    extrem hohe Renditen möglich –    vergleichsweise hohe Renditen

–    gute Planbarkeit bzw. regelmäßige Rückzahlungen

–    mehr verfügbare Informationen

Nachteile –    wenige verlässliche Informationen

–    gute Marktkenntnis nötig

–    hoher Kapitalbedarf

–    sehr viele Ausfälle, extremes Risiko

–    lange Wartezeit bis zur Auszahlung, Unterschiede je nach Start-up (asynchrone Ausschüttung)

–    keine extremen Renditen erzielbar

–    Ausfälle ebenfalls möglich, Risiko vergleichsweise hoch

 

Noch ein paar Tipps für Ihren Crowdinvesting Erfolg…

Crowdinvesting (Nachrangdarlehen) und Crowdlending (klassische Kredite) können durchaus sehr rentable Ergänzungen zu Ihrem Investmentportfolio sein. Beachten Sie dafür einfach unsere Tipps:

1. Investieren Sie niemals Ihr gesamtes Kapital in Crowdinvesting / Crowdlending. Sie sollten immer auf Ihre Portfolio-Diversifikation achten und am besten nur einen kleinen Teil Ihres Geldes in die-se Anlageformen investieren.

2. Investieren Sie in Mittelständler und etablierte Unternehmen. Hier können Sie das Risiko etwas besser einschätzen als bei Start-ups.

3. Achten Sie auf die Auswahlkriterien des Crowdinvesting-Anbieters. Nach welche Kriterien prüft er seine Kandidaten? Werde nur profitable oder möglicherweise auch Unternehmen in der Krise über die Plattform finanziert?

4. Wenn Sie in Start-ups investieren, dann nur in extrem skalierbare. Ein Frittenbuden-Crowdinvesting wird Ihnen wohl kaum 400.000 Prozent Rendite bringen, wie das bei Facebook der Fall war. Die Frage sollte immer sein: Hat das Start-up theoretisch das Potenzial, ein großes Unternehmen, vielleicht sogar ein Weltkonzern zu werden?

5. Crowdinvesting / Crowdlending in mittelständische Unternehmen bietet bessere Planbarkeit als riskanteres equity-based Crowdinvesting.

Beachten Sie unsere Tipps, um erfolgreich über die Crowd zu investieren.


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