Update vom 07.05.2020

Wie Anleger in der Post-Corona Schuldenära am besten investieren.

Der kurzfristige Ausblick für die Finanzmärkte wird wesentlich vom Verlauf der Corona-Pandemie bestimmt. Für den zukünftigen Erfolg der Geldanlage sollten sich Anleger jedoch vielmehr auf die nachhaltigen Veränderungen, die die Krise mit sich bringt, vorbereiten.

Schreibt man die aktuell bereits zu beobachtenden Tendenzen fort, werden wir zukünftig in einer noch wesentlich höher verschuldeten, weniger globalen und nochmals deutlich stärker digitalisierten Welt leben.

Anleger werden mit höheren Steuern und einer zunehmenden Inflation rechnen müssen. Die Verschiebung von den aktuell stark ausgeprägten globalen Lieferketten zu wieder lokaleren Lieferketten dürfte sich für viele deutsche Unternehmen, die in der Vergangenheit Profiteure der Globalisierung waren, zunächst einmal nachteilig auswirken.

Eine noch höher verschuldete Welt ohne „normale“ Zinssätze

Aufgrund der staatlichen Rettungsmaßnahmen in der Corona-Krise werden die Staatsschulden im Verhältnis zum BIP in weiten Teilen der Welt nochmals deutlich höher liegen als noch Ende 2019.

Regierungen und Zentralbanken stehen drei wesentliche Mittel zur Verfügung, um die Schuldenlast so zu steuern, dass eine Staatspleite vermieden werden kann: Finanzrepression, Steuererhöhungen und eine Inflationserhöhung. Unserer Ansicht nach sollten sich die Anleger auf den kombinierten Einsatz all dieser Mittel vorbereiten.

Die Finanzrepression, bei deren Anwendung die Zentralbanken die Zinsen künstlich niedrig halten, ist den deutschen Anlegern bereit seit Jahren bekannt. Schließlich stellen die niedrigen Renditen aus den sichereren Anleihen und Barmitteln für konservative Sparer Kosten dar, und letztendlich tragen diese Sparer die Last der höheren Verschuldung zusammen mit den Steuerzahlern.

Im Zuge der Krise hat die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm nochmals weiter erhöht. Länder wie Italien sind wahrscheinlich nur deshalb noch nicht zahlungsunfähig, weil die Europäische Zentralbank ihre Staatsanleihen durch Käufe stützt. Die Rückkehr zu einer „normalen“ Geldpolitik und höheren Zinsen erscheint für die nächsten Jahre nicht realistisch.

Die Aussicht auf viele weitere Jahre mit real negativen Zinssätzen bedeutet, dass Anleger ihre Barmittel und Anleihen in den Portfolios überdenken müssen. Als echter Krisenschutz kommen zukünftig sicherlich deutlich weniger Anleiheemittenten in Frage. Gleichzeitig bieten Anleihen mit niedrigerer Bonität oder einer geringeren Liquidität höhere Zinsen, die einen Ausgleich im Zinsertrag liefern können, der durch die Negativzinsen bei Staatsanleihen entsteht. Zudem könnten Anleger höhere Allokationen in andere Vermögenswerte mit Diversifikationsvorteilen wie Private Equity ins Auge fassen. Mit Gold lässt sich weiterhin das Risiko einer stark zunehmenden Inflation am besten absichern.

Global diversifizieren in einer weniger globalen Welt

Wir sind der Ansicht, dass die Welt nach der Krise strukturell gesehen weniger global ausgerichtet sein wird. Es ist zu beobachten, dass Regierungen darauf bedacht sind, wichtige strategische Güter vermehrt im Inland zu produzieren, während sich viele Unternehmen des operationellen Risikos verzweigter, globaler Lieferketten bewusster sein dürften.

Eine weniger stark vernetzte Welt, in der verschiedene Länder unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem Coronavirus und dessen Auswirkungen verfolgen, führt zu einer potenziell höheren Ergebnisbandbreite. Prognosen darüber, wer als Gewinner oder Verlierer aus diesem Prozess hervorgehen wird, sind schwierig. Daher sollten Anleger eine globale Diversifikation anstreben, um das Risiko zu mindern. Deutschland profitierte in der Vergangenheit von seinem enormen Exportüberschuss. Die starke Abhängigkeit vom Handel macht die deutsche Wirtschaft für einen Rückzug aus der Globalisierung folglich besonders anfällig. In der Post-Corona-Ära sollten die Anleger das Ausmaß ihres Engagements in deutschen Inlandsvermögen neu überdenken.

Der Corona-Lockdown hat die Art und Weise wie Unternehmen arbeiten und Verbraucher einkaufen zudem sehr verändert. Einige dieser Veränderungen dürften von Dauer sein, so etwa die potenzielle Zunahme der Telearbeit oder des Online-Shoppings. Einige Sektoren werden beflügelt und andere wiederum werden dauerhaft Schaden erleiden.

Fazit

Covid-19 wird zu nachhaltigen Veränderungen in der Weltwirtschaft führen. Anleger, die ihr Vermögen schützen und vermehren möchten, sollten sich an die neue Weltordnung anpassen. Am besten gelingt dies mit einer durchdachten Vermögensallokationsstrategie, die darauf ausgelegt ist, an einem Anstieg der Märkte voll zu partizipieren, aber das Engagement während Marktrückgängen zu begrenzen. Unsere nach diesem Prinzip aufgebauten Allwetter-ETF-Portfolios haben ihre Stärken nicht zuletzt auch in den letzten Wochen eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Die Aufmerksamkeit der Märkte beginnt sich schon jetzt auf die durch die Krise ausgelösten und danach bleibenden strukturellen Veränderungen zu richten. Die Veränderungen einzelner Aktienpreise relativ zum Gesamtmarkt spiegelt dies bereits wider. So notiert die Aktie von Amazon aktuell bereits wieder über ihrem Wert vom Jahresanfang.

Anleger die erwägen, die Flexibilität ihres Portfolios zu erhöhen, um die aus der Krise resultierenden Gelegenheiten auf Basis von Einzelaktieninvestments zu nutzen, offerieren unsere aktiv gemanagten Sondersituationen-Portfolios aktuell eine äußerst attraktive Investmentopportunität.

 

 

Update vom 08.04.2020

Epoche Systemischer Schocks: 10 Jahre und 4 Abstürze mit Lufthansa

Wer sich im April 2010 eine Aktie der Lufthansa, eines der führenden internationalen Luftfahrtunternehmen mit sehr qualifiziertem Personal und einem exzellenten Management, ins Depot gelegt hat, verzeichnet zehn Jahre später, im April 2020, ein Minus von 18,2 % – inklusive der ausgezahlten Dividenden. „Die Anleger würden heute besser dastehen, wenn die Gebrüder Wright beim Erstflug abgestürzt wären“, äußerte sich der Investor Warren Buffett vor einigen Jahren dementsprechend kritisch zum Thema Aktien von Luftfahrtunternehmen. Die Aktie der Lufthansa ist jedoch nur ein Beispiel für eine sehr bescheidene Aktienperformance über einen Zeitraum von immerhin 10 Jahren. Aktionäre der Daimler AG teilen ein ähnliches Schicksal. Das wirft die Frage auf, ob eine vergleichsweise naiv aufgebaute, langfristige Anlagestrategie in sogenannte Blue Chips oder auch Qualitätstitel in der heutigen Anlagewelt noch zielführend ist.

Drei Systemschocks in den vergangenen 30 Jahren

Tatsächlich haben die meisten der heute aktiven Anleger bereits mehrere krasse historische Einschnitte erlebt. Nach den linearen Jahrzehnten des Kalten Krieges waren die vergangenen 30 Jahre eine Epoche der systemischen Schocks – die Corona-Krise ist in diesem Zeitraum bereits die dritte dramatische Zäsur. Der erste Systemschock war der 11. September 2001. Der islamistische Terrorismus – bis dahin ein Expertenthema – wurde plötzlich zur Bedrohung für den Lebensstil der westlichen Welt. Im Jahr 2008 dann erschütterten die Finanzkrise und Euro-Krise die Welt. Pleiten von Banken und Staaten, eine Kernschmelze des Weltfinanzsystems waren plötzlich reale Szenarien, die das Leben aller Menschen betrafen. Aktuell befinden wir uns in der akuten Phase der dritten systemischen Krise in den vergangenen 10 Jahren. Wie am 11. September wird die Gesellschaft plötzlich erneut mit einer Bedrohung konfrontiert, die man bis dato nur in Katastrophenfilmen gesehen hatte.

Mittelfristige wirtschaftliche Folgen gravierend

Die wirtschaftlichen Folgen wiederum werden voraussichtlich mindestens so gravierend sein wie in der Finanz- und Euro-Krise. Ganz bewusst werden die damals eingesetzten Rezepte nun wieder angewendet. Ohne Zweifel stehen wir aktuell vor dem Risiko einer tiefen Wirtschaftskrise, aus der nicht zuletzt auch eine neue Euro-Schuldenkrise resultieren kann. In der Angst vor dem Virus achtet derzeit kaum noch jemand auf die mittelfristigen Auswirkungen – von ansteigender Inflation über andauernde Negativzinsen zu realen Vermögensverlusten- der Billionenbeträge, die derzeit von Notenbanken und Regierungen eingesetzt werden, um die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stabilisieren.

Sytemische Krisen das „Neue Normal“

Eine Rückkehr in die lineare Welt von 1960-1990 wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Systemische Krisen sind das „Neue Normal“. Die Covid-19-Pandemie wird voraussichtlich stärker als die meisten vorherigen Krisen dauerhafte Spuren in unserem Alltag hinterlassen und die Entwicklung der Anlageportfolios nachhaltig beeinflussen. Nichtsdestotrotz bietet die aktuelle Krise eine Vielzahl an Chancen für Anleger. Jetzt gilt es, die richtigen, vermögenssichernden Entscheidungen zu treffen. Auf kürzere Sicht können Anleger nach Aktien und Anleihen Ausschau halten, die im von Angst geprägten Umfeld überverkauft sind. Mittelfristig ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, die potentiellen Gewinner in einer Zeit wiederkehrender, systemischer Krisen zu identifizieren und entsprechend zu investieren. Auch wir halten Ausschau nach solchen Chancen und richten unsere Kundeportfolios entsprechend aus.

Mit naiv diversifizierten Blue Chip-Portfolios haben die meisten Anleger in den vergangenen 10 Jahren so gut wie keine Performance erzielt. Daran wird sich unserer Meinung nach auch zukünftig wenig ändern.

 

Update: 23.03.2020

Corona-Crash-Auswertung

Die Furcht vor einer Pandemie belastet die Börsen und verunsichert Anleger. Das muss nicht sein. Bei Kapilendo hat Björn Siegismund, Chief Investment Officer, die Märkte sehr genau im Blick. Wir haben mit ihm über die Auswirkungen der aktuellen Situation auf die Finanzmärkte gesprochen.

Herr Siegismund, die Börsen sind angesichts der Corona-Pandemie im Panikmodus.Wenn Sie sich die runtergeprügelten Kurse vieler Aktien anschauen: Ist das Niveau so niedrig, dass mutige, langfristig orientierte Anleger zugreifen können? Oder würden Sie sich angesichts der enormen Unsicherheit über die weitere Entwicklung momentan eher noch zurückhalten?

Mit dem aktuellen Crash preist der Aktienmarkt den Absturz der Weltwirtschaft von mehreren Prozentpunkten ein. Ein solches Szenario lässt sich angesichts der Ballung der aktuellen Krisen (Coronavirus als Auslöser, Branchen-, Konjunktur- und Rohstoffkrisen als Folgen) natürlich nicht ausschließen, stellt aber ohne Frage schon ein sehr negatives Szenario dar. Aktuell notieren die Unternehmen im DAX bei einem Stand von 8700 Punkten in etwa auf ihrem Buchwert. Historisch betrachtet hat sich das Kurs-Buchwert-Verhältnis im DAX nie lange unter 1,0 aufgehalten und ich sehe nicht, warum es diesmal anders sein sollte. Man sollte meines Erachtens nicht außer Acht lassen, dass die europäische Zentralbank mit dem am 19.03.2020 verkündeten 750 Milliarden schweren Corona-Programm bereits ein großes „Sicherheitsnetz“ über die Märkte gespannt hat.

Für eine Erholung der Konjunktur und damit auch der Aktienmärkte braucht es im Augenblick aber wohl schnelle Hilfe von medizinischer Seite. Wann kann aus Ihrer Sicht realistisch mit einem Medikament bzw. Impfstoff gerechnet werden?

Das ist natürlich schwer zu sagen. Zu diesem Thema tauschen wir uns aktuell regelmäßig mit Portfoliomanagern aus dem Bereich Biotechnologie aus. Wenn die Kollegen ein Unternehmen bewerten, schauen sie sich nicht nur Finanzkennzahlen an, sondern steigen tief in die Analyse klinischer Daten ein und sprechen mit Forschern, wie aussichtsreich ein neues Medikament wirklich sein könnte.
Normalerweise dauert die Entwicklung eines Impfstoffes zwölf bis 15 Monate, selbst wenn sich die Behörden sehr kooperativ zeigen, was aktuell der Fall ist. Die Entwicklung ist das eine, die Herstellung das andere. Die Unternehmen müssen beweisen, dass der Impfstoff tatsächlich wirkt, dass sich also genügend Antikörper im Blut finden und eine Immunität aufgebaut wird. Auch mögliche Nebenwirkungen müssen untersucht werden. Das kann relativ schnell gehen. Doch es wird darüber hinaus noch Zeit brauchen, die nötige Fertigung aufzubauen. Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass es vor Dezember schon eine signifikante Zahl an Impfdosen geben wird. Gut ist jedenfalls, dass nicht nur einzelne Firmen, sondern viele Unternehmen an Impfstoffen arbeiten, darunter auch die großen Marktführer, die schnell entsprechende Kapazitäten aufbauen können.

Die Entwicklung eines Medikaments dürfte noch länger dauern, oder?

Nein, im Gegenteil. Es gibt zwei Ansätze: Derzeit wird in mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, mit Remdisivir bereits ein Medikament getestet, das ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde. Es hemmt die Replikation des Virus im menschlichen Körper.
Eine weitere Idee setzt an einer anderen Stelle an. Bei vielen Patienten richtet nämlich nicht die Infektion mit dem Virus den größten Schaden an, sondern eine Art Überreaktion des Immunsystems – insbesondere bei älteren Menschen. Die Hoffnung ist, diese Kaskade zu stoppen, was die Krankheit zwar nicht verhindern, aber die Sterblichkeit erheblich senken würde. Hier kann es einen schnellen Fortschritt geben, weil die Medikamente bereits zugelassen sind. Nötig wären nur noch klinische Studien mit einigen hundert Patienten in Krankenhäusern. Heilen diese wirklich schneller und treten keine neuen Nebenwirkungen auf, könnten die Medikamente schon ab September einsatzbereit sein.

Im Private Banking setzen Sie bei Ihren Investments in einzelne Aktien zudem auf sogenannte Sondersituationen. Konnten sich diese Aktien gegen den allgemeinen Börsentrend stemmen?

Wenn es regnet, werden alle nass. Der “Shut-down” trifft die ganze Wirtschaft in einem Ausmaß, das zuvor wohl niemand so erwartet hatte.
Bei unseren Investments in Sondersituationen im Private Banking setzen wir vor allem auf Unternehmen, die über eine außerordentlich gute Substanz, also beispielsweise eine geringe Verschuldung, einen starken Ankerinvestor oder hohe Cash-Bestände verfügen. Hier konnten wir die Entwicklung der letzten Wochen also vergleichsweise gelassen verfolgen, weil wir extremoptimistisch sind, dass sich diese Titel mittelfristig wieder Richtung neuer Höchststände bewegen werden. Mit Blick auf einige Unternehmen, mit hoher Verschuldung, die bereits vor der Krise angeschlagen waren, bin ich da skeptischer. Für Investoren, die das aktuelle Kursniveau für einen Einstieg in den Aktienmarkt nutzen wollen, macht es also durchaus Sinn, Unterschiede zu machen.

Das Kapilendo Allwetter-Portfolio liegt in der aktuellen Crash-Auswertung von brokervergleich.de auf Platz zwei von 20 Anbietern. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Hier hat sich in der aktuellen Krise sehr deutlich herauskristallisiert, dass ein großer Teil der am deutschen Markt aktiven Robo-Advisor nicht über die entsprechenden Investmentstrategien verfügt, um die Verluste in den Portfolios erfolgreich zu begrenzen.
Insbesondere der viel besprochene Value at Risk-Ansatz, der von einem prominenten Wettbewerber propagiert wird, hat in diesem dynamischen Abschwung einmal mehr seine Schwächen offenbart.
Der Value at Risk-Ansatz steht und fällt mit der Güte der angenommen Verteilungsfunktion. Leider hat auch hier die Gaußsche Normalverteilung ihren Triumphzug durch die Finanzwelt fortgesetzt. Zugegebenermaßen sind zahlreiche natur- und gesellschaftswissenschaftliche Phänomene normalverteilt, Wertpapierrenditen gehören allerdings nicht dazu. Während sich in der Normalverteilungswelt alles im runden Bauch der Glockenkurve abspielt, kennen Wertpapiere vorwiegend minimale Preisänderungen und extreme Preissprünge in Zeiten von Marktunruhen wie wir sie aktuell erleben.
Berechnet man also den Value at Risk auf Basis der Normalverteilung, unterschätzt man extreme Verlustrisiken systematisch. Gleichzeitig ist die Risikokennzahl so träge, dass es erst zu einer ausgeprägten Krise kommen muss, damit sich der Value at Risk anpasst.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit dem Allwetter-Ansatz ganz bewusst für einen anderen Weg entschieden. Der Allwetter-Ansatz stellt sich auf die unterschiedlichen Marktszenarien mit vier risikoseitig gleichgewichteten Teilportfolien ein. Das Ergebnis ist eine Anlagestrategie, die nicht versucht die Märkte zu schlagen, sondern die Volatilität (Wertschwankung) und die damit einhergehenden Risiken soweit wie möglich zu senken und gleichzeitig eine hohe Rendite zu erzielen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Siegismund.

 

Update: 18.03.2020

Corona ist eine Bewährungsprobe

Ein Virus geht um die Welt. Stündlich steigt die Zahl der Infizierten. Angst macht sich breit – nicht nur an den Börsen. In einem solchen Umfeld gilt: Vorsicht ist angebracht, Panik schädlich! Unsere Einschätzung zur aktuellen Situation.

[Hier finden Sie unsere Tipps und Informationen für Unternehmen]

Das Virus hinterlässt tiefe Spuren

In der vergangenen Woche erlebte der DAX gleich an zwei Tagen Verluste in einer Größenordnung, die zu den höchsten in der Geschichte des Index zählen. Das setzt sich auch Anfang dieser Woche fort. Solche Bewegungen treiben Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn. Viele fragen sich, ob sie verkaufen sollten.

Gut gemeinte Empfehlungen helfen erfahrungsgemäß allerdings nicht, die Angst der Anleger wegzudiskutieren. Das die aktuellen Verluste in den Depots schmerzlich sind, ist gut nachvollziehbar. Was immer wieder als „Schwankungen“ der Wertpapiermärkte bezeichnet wird, spürt so mancher erst in der aktuellen Marktsituation richtig. Und diese Schwankungen haben Gründe. In den letzten Tagen haben sich die Auswirkungen für die Weltwirtschaft dramatisch verändert. Ausschlaggebend dafür ist die Ankündigung einer vollständigen oder teilweisen Quarantäne der Bevölkerung durch die Regierungen Europas und der USA. Möglicherweise werden die Maßnahmen in den kommenden Tagen noch weiter verschärft. Doch auch wenn eine globale Rezession wahrscheinlich nicht mehr abzuwenden ist, stellt sich für Anleger eher die Frage, wie viel der düsteren Prognosen sich bereits in den Börsenkursen widerspiegeln und wie lange der Zustand des wirtschaftlichen Schocks noch anhalten wird.

Aktien handeln auf Krisenniveau

Globale Aktienmärkte haben seit Jahresanfang mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Die Verluste erstrecken sich über alle Branchen, unabhängig davon, wie stark der Einfluss durch das Virus tatsächlich ist. Im Ergebnis handeln heute Aktiengesellschaften und auch gesamte Indizes teilweise unter bilanziellem Eigenkapital. Beim Deutschen Aktienindex (DAX) kam es zu solchen Situationen relativ selten. In der Vergangenheit waren es aber stets die die besten Zeitpunkte für einen Kauf. Ob und wie weit die Angst die Börsenkurse noch nach unten treibt, kann keiner seriös prognostizieren. Die kurzfristigen Entwicklungen sind nie vorhersehbar, mit oder ohne Virus. Für langfristige Anleger wird daher viel entscheidender sein, wie sich die Märkte nach Corona entwickeln, wenn Ratio wieder wichtiger ist, als Emotionen.

Wo stehen Börsenkurse, wenn ein Mittel gegen Corona gefunden wird?

Die Zahlen der Neuinfektionen durch das Corona Virus stehen aktuell im Vordergrund der öffentlichen Aufmerksamkeit. Rund zwei Drittel der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland werden infiziert werden, so schätzen Experten. Angesichts dieser Zahlen setzt die internationale Forscherzunft mit vereinten Kräften alles daran, nicht nur den neuen Erreger bis ins kleinste Detail zu zerlegen, sondern auch schnell ein Gegenmittel zu suchen. Mittlerweile deuten mehrere Untersuchungen darauf hin, dass bekannte Medikamente den Krankheitsverlauf abmildern können. Weltweit erproben Ärzte derzeit verschiedene Therapien. In China hat beispielsweise der Wirkstoff Favipiravir eine erste Zulassung als Virustatikum bei Covid-19 erhalten. In mehreren Kliniken in Deutschland wird der Wirkstoff Remdesivir getestet, angeblich mit erfolgsversprechenden Ergebnissen. Fakt ist, wie auch immer letztendlich eine Behandlungsmethode aussehen wird, die seit zehn Wochen andauernde Verbreitung des Coronavirus hat enorme globale Anstrengungen hervorgerufen, einen Wirkstoff gegen das Virus zu finden. Wo werden wohl die Aktienkurse stehen, wenn tatsächlich ein wirksames Mittel gefunden wird?

Zentralbanken und Regierungen tun alles Notwendige, um Wirtschaft zu schützen

Weltweit sind Staats- und Regierungschefs dabei, umfassende Krisenpakete für die Wirtschaft zu schnüren. Der Bundesrat hat im Eilverfahren dem neuen Kurzarbeitergeld zugestimmt, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für Unternehmen in Deutschland abzufangen. Auch ein unbegrenztes Kreditprogramm wurde beschlossen. Ebenfalls stehen die Zentralbanken mit weiteren Liquiditätsspritzen und Unterstützungen für Banken Gewehr bei Fuß. Die US- Zentralbank Fed senkte erneut ihren Leitzins auf nahezu Null. Diese Maßnahmen sind Beispiele, dass die Entscheidungsträger dies- und jenseits des Atlantiks sehr bemüht sind, eine tiefe und lang andauernde Krise zu vermeiden.

Langfristig erfolgreich

Die nahezu beispiellose Unsicherheit an den Wertpapiermärkten sind auch an den von uns verwalteten Portfolien nicht spurlos vorbeigegangen. Der Kapilendo Allwetter-Ansatz ist so aufgestellt, dass er langfristig aktienähnliche Renditen erwirtschaften soll, dabei allerdings nur etwa ein Drittel des Aktienmarktrisikos vollzieht. Im vergangenen Jahr konnte der Ansatz bei steigenden Börsen Wort halten. Und auch im bislang stark negativen Kapitalmarktumfeld wurden die Verluste deutlich begrenzt. Insofern halten wir auch im aktuellen Umfeld an unserer bewährten Strategie fest, um aus der Krise gestärkt hervorzugehen.

 

Update: 09.März 2020

Die zunehmende Ausbreitung des Corona-Virus verunsichert die Anleger weltweit. Die Folge: Aktienmärkte rund um den Globus verlieren deutlich. Eine kurze Einschätzung der aktuellen Lage.

Das Corona-Virus, das seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, hat die Grenzen Chinas hinter sich gelassen. Neuinfektionen treten nun rund um den Globus auf. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Aktien, die in der letzten Woche deutlich an Boden verloren. Aktuell liegen die Wochenverluste der großen Aktienindices im zweistelligen Bereich. Wir beobachten die aktuelle Lage sehr genau, raten aber von irrationalen Entscheidungen ab. Klar ist: Keiner kann seriös vorhersagen, wie sich Covid-19, so die offizielle Bezeichnung der hochansteckenden Lungenkrankheit, ausbreitet.

Ansteckungsgefahren der Weltwirtschaft

Kurzfristig scheinen global schwächere Konjunkturdaten aufgrund der Virusverbreitung unausweichlich. Bei einer länger andauernden Ausnahmesituation und einer verschärften Pandemie werden die Auswirkungen auf Unternehmen wohl auch längerfristig belasten. Besonders betroffen sind vor allem Banken, Gastronomie, Fluggesellschaften und Touristik. Achillesferse sind auch die internationalen Lieferketten, die ins Stocken geraten und damit erhebliche Folgewirkungen verursachen könnten. Gegenwärtig arbeitet Chinas Wirtschaft nur mit halber Kraft, was Auswirkungen besonders auf die Automobil-, Maschinen- und Elektroindustrie haben wird.

Regierungen und Zentralbanken werden stützen

Unserer Meinung nach dürften die Zentralbanken und Regierungen bei einer sich verschärfenden Krise alles tun, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu begrenzen. Die Möglichkeiten reichen von weiteren Liquiditätsspritzen, über Stützung von Unternehmen bis hin zu Banken. Seit der Lehman-Krise wissen heute alle, dass es eine Eskalation der Krise zu verhindern gilt. Vielleicht hat Investoren-Legende Warren Buffett auch das im Hinterkopf, als er im jüngsten Interview nochmal beschrieb, dass das Virus eine Herausforderung für die Menschheit sei, allerdings nichts, was er als Grundlage für Kauf- oder Verkaufsentscheidungen heranziehen würde. Eine Aktie zu kaufen basiere auf den Aussichten der nächsten Jahrzehnte – und diese hätten sich durch den Virus nicht verändert. Die meisten Anleger würden laut Buffett den Kauf einer Aktie als etwas anderes ansehen als den Kauf eines ganzen Unternehmens, auch wenn dies eigentlich dasselbe ist. Von einem ganzen Unternehmen würde man sich schließlich auch nicht ein paar Tage später aufgrund der neuesten Schlagzeilen trennen.

Wir halten an bewährter Portfoliostrategie fest

Unsere verwalteten Portfolien sind natürlich nicht vollständig immun gegen das Virus. Allerdings helfen uns gerade in solchen Marktphasen die breite Diversifikation über unterschiedliche Anlageklassen und Branchen, die wir in jedem von uns verwalteten Portfolio vorsehen. Was wir trotz der Unsicherheit immer im Hinterkopf behalten ist, dass solche Zeiten auch Chancen bieten können. Zuletzt haben wir dies im Jahr 2018 gesehen, als im letzten Quartal die Sorge um die Konjunktur die Aktienmärkte auf Talfahrt schickte. Anleger, die in dieser Situation verkauft haben, konnten nicht mehr von den steigenden Kursen profitieren und haben so eines der besten Anlagejahre in diesem Jahrtausend verpasst. Mit Blick auf das verwaltete Vermögen sind wir daher zuversichtlich, dass unsere langfristig bewährte Anlagestrategie in Kombination mit möglichen, aber wohl überlegten Eingriffen auch im aktuellen Marktumfeld erfolgreich bestehen wird.

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